Leser fragen mare

Ihre mare-Hotline in die unerforschten Weiten und Tiefen der Meere

Stimmt es, dass Blitze verstärkt über stark befahrenen Schifffahrtsstraßen auftreten?
Herbert Stein, per E-Mail

Die Antwort auf diese Frage lieferte ein US-amerikanisches Forscherteam im September 2017 mit einem beeindruckenden Vergleich zweier Karten. Beide zeigen Gebiete im nordöstlichen Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer. Die abgebildeten Daten markieren deutlich zwei scharf abgetrennte Linien. Diese Linien basieren in der einen Karte auf Daten von Schiffsemissionen, in der anderen jedoch auf durchschnittlichen Werten zur Blitzdichte. Bei den Linien handelt es sich um zwei der meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt. Eine führt von der Südspitze Sri Lankas nahezu geradlinig durch den nördlichen Indischen Ozean um die Nordspitze Sumatras und weiter durch die Straße von Malakka nach Singapur, die andere von dort aus Richtung Nordwesten ins Südchinesische Meer. Anhand von Blitzschlagmessungen konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass direkt über den verkehrsreichen Routen Blitze fast doppelt so häufig auftreten wie in angrenzenden Gebieten. Diese Häufung kann nicht durch meteorologische Faktoren erklärt werden, sondern ist auf die Schiffsabgase zurückzuführen. An Abgaspartikeln kann der Wasserdampf schneller kondensieren, was zu schnellerer Wolkenbildung, zu Gewittern und Blitzen führt.


Was sind das für seltsame Pflanzen am Strand von Spiekeroog?
Sigrid Seiler, per E-Mail

Unsere Leserin war am Strand von Spiekeroog spazieren und hat bei Ebbe wundersame Pflanzen gesehen. Sie schilderte, dass die Pflanzen einen Röhrenstiel und oben kleine Haarbüschel haben. Außerdem waren sie sehr weich und brachen schnell ab. Was auf den ersten Blick wohl wie eine Pflanze aussah, war in Wirklichkeit keine. „Bei den vermeintlichen Pflanzen handelt es sich tatsächlich um das Bauwerk des Bäumchenröhrenwurms“, erklärt der Nationalpark-Wattführer Carsten Heithecker. Was unsere Leserin für eine Pflanze gehalten hat, ist das Zuhause des Wurms. Mithilfe seines körpereigenen Schleims verklebt er Sandkörner und andere Partikel zu einer Wohnröhre und mit einer „Bäumchenkrone“. Diese steht quer zur Strömung und fängt wie ein Netz Plankton ein. Mit seinen Tentakeln kann der Wurm diese dann abernten. Der Bäumchenröhrenwurm ist ein typischer Bewohner der Rückseitenwatten, die brandungsgeschützter sind. Auf Spiekeroog ist er zusätzlich auch am offenen Nordstrand zu finden, da hier vor dem Strand eine hohe Sandbank entstanden ist. So ist der Lebensraum hier dem Rückseitenwatt ähnlich.


Wie finden Wissenschaftler heraus, warum sich Methanhydrate im Meer auflösen?
Besucher der Maritimen Woche Bremen

Methanhydrat ist eine feste Verbindung aus Methan und Wasser. Hierbei bilden Wassermoleküle Käfige, in denen jeweils ein Methanmolekül eingeschlossen ist. Diese Käfigstrukturen sind nur bei niedrigen Temperaturen und hohem Druck stabil. Erhöht sich die Wassertemperatur oder sinkt der Wasserdruck, lösen sich die Hydrate auf. Das Methangas kann aus dem Meeresboden entweichen, und das Wasser aus dem Hydrat verbleibt im Meeresboden. Da es sich hierbei um Süßwasser handelt, können Forscher diese Wasserrückstände ausfindig machen, indem sie die Menge an Chloridionen messen. So zieht sich eine Süßwasserspur wie eine Signatur früherer Hydratauflösung durch die Schichten des Meeresbodens. Diese Signatur hat ein Forscherteam vor Spitzbergen gemessen, wo in etwa 400 Meter Wassertiefe an auffällig vielen Stellen Methangas aus dem Meeresboden austritt. Als Grund wurde eine Erwärmung des Bodenwassers innerhalb der vergangenen 30 Jahre um ein Grad Celsius vermutet. Diese mögliche Ursache führte in Computermodellen jedoch nicht zu den gemessenen Süßwassermengen. Die Forscher machten einen anderen Grund aus: Nach der letzten Kaltzeit haben sich die Landmassen, befreit vom Gewicht der Gletscher, stetig angehoben. Das Land – und damit auch der Kontinentalhang mit den Hydraten – hat sich rascher gehoben, als der Meeresspiegel anstieg. Dadurch verminderte sich der Wasserdruck, und die Methanhydrate wurden instabil.


Wovon leben Würmer in der Tiefsee?
Frage aus der mare-Redaktion

Dunkel ist es in der Tiefsee, kalt und unwirtlich. Dennoch gibt es an heißen Quellen neben Muscheln, Fischen und Krebstieren auch Röhrenwürmer. Sie leben ähnlich wie Schnecken in selbst gebauten Röhren, meist siedeln sie in Kolonien am Meeresgrund. Wovon aber ernähren sie sich in der dunklen Tiefsee? Die Antwort: Sie gehen eine Symbiose mit Bakterien ein, eine Lebensgemeinschaft, ohne die weder der Wurm noch die Bakterien überleben könnten. Die Bakterien nutzen den Schwefelwasserstoff, der aus den heißen Quellen strömt, als Energiequelle. Solche heißen Quellen werden auch „Oasen der Tiefsee“ genannt, denn die Bakterien wandeln die für Lebewesen giftigen anorganischen Stoffe in komplexen chemischen Prozessen in organische Verbindungen um. So ermöglichen sie anderen Organismen das Leben. Die Bakterien selbst leben in einem besonderen Organ im Wurm, sodass er direkt Zugriff auf die von den Bakterien gebildeten organischen Stoffe hat. Im Austausch bieten die Röhrenwürmer den Bakterien Schutz vor möglichen Fressfeinden.

mare No. 126

No. 126Februar / März 2018

MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.

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