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Gilt für Schiffe im Bosporus bisweilen Einbahnstraßenverkehr?
Ulf Benöhr, per E-Mail

Alljährlich passieren rund 50  000 Schiffe die 31 Kilometer lange Meerenge zwischen Europa und Kleinasien, davon rund 5500 Tanker. Die Passage stellt hohe navigatorische Ansprüche. Eine Biegung bei Kandilli – die mit 698 Meter schmalste Stelle des Bosporus – erfordert eine Kursänderung von 45 Grad, bei Yeniköy sind es gar 80 Grad. Hier können heftige nördliche Winde die Schiffe gefährlich nah Richtung asiatisches Ufer versetzen. Zudem beeinträchtigen achterliche, bis zu acht Knoten starke Strömungen die Anströmung der Ruderblätter und damit die Manövrierbarkeit. Nach zahlreichen Havarien dürfen Schiffe von mehr als 200 Meter Länge daher nur noch am Tag verkehren. Zudem gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen. Fallweise ordnen die Kontrollzentren Einbahnstraßenverkehr an. Wenn im Schwarzen Meer ein Unwetter tobt, sind die Schiffe im Bosporus sicherer, dann hat der Nord-Süd-Verkehr Richtung Mittelmeer Vorfahrt. Die Behörden geben die Richtungssperrungen, die oft mehr als zwölf Stunden gelten, kurzfristig bekannt. Wartezeiten an den Einfahrten zur Meerenge sind dann die Folge.


Hat der diesjährige, mehr als 1000 Kilometer lange Riss im arktischen Meereis mit dem Klimawandel zu tun?
Kilian Trotner, Regensburg

Satellitenbilder des US-Wetteramts NOAA brachten es an den Tag: Seit Mitte Februar 2013 brach die bis dahin geschlossene Eisdecke der Beaufortsee von Nordwesten her auf. Nördlich Alaskas und Kanadas entwickelte sich ein Netz von Rissen. Mitte März erstreckte sich küstennah ein markanter Riss, der von der Mündung des Mackenzie-Flusses in Westkanada gut 2000 Kilometer bis zur Ellesmere-Insel im Osten reicht. „Nur sehr starke Stürme, gepaart mit der Kraft der Meeresströmungen, erzeugen solche Risse“, sagt Joe Comiso vom Eiswissenschaftlichen Labor der Nasa. Mit Blick auf den Klimawandel meint der Eisexperte: „Tatsache ist, dass dickes, mehrjähriges Eis in der Beaufortsee auf dem Rückzug ist. Dort, wo das Eis aufbrach, dominiert nun dünneres, einjähriges Eis, das Stürmen weniger Widerstand bietet.“ Allerdings muss der Riss nicht zwangsläufig den weiteren Rückgang des arktischen Meereises beschleunigen. „Im offenen Wasser der Risse bildet sich neues Eis, das im kommenden Winter zu dickeren Schollen gepresst wird“, sagt Comiso. „So bilden sich Presseisrücken, die die Eisflächen stabilisieren und die Chancen erhöhen, dass sie die nächste Sommerschmelze überstehen.“


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mare No. 101

No. 101Dezember 2013 / Januar 2014

MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.

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