Leser fragen mare

Ihre mare-Hotline in die unerforschten Weiten und Tiefen der Meere

Warum sollte man Muscheln nur in Monaten mit einem R essen?
Bernhard Behrendsen, Trittau

Die alte Regel könnte ebenso heißen: Meide Muscheln im Sommer! Denn dann vermehren sich bestimmte einzellige Algen massenhaft und färben das Meer gelblich-braun oder rot. Die erste biblische Plage war wahrscheinlich eine solche Algenblüte. Bis zu 40 Millionen Zellen einer Art drängen sich dabei in jedem Liter Wasser, meist so genannte Dinoflagellaten – ein gefundenes Fressen für Miesmuschel und Co., die bis zu 37 Liter je Stunde filtern. Etwa 50 Arten dieser Einzeller produzieren aber winzige Mengen Gift. Steigt die Zahl solcher Algen stark an, reichert sich im Muschelfleisch eine für Fisch und Mensch gefährliche Konzentration an. Daher bekommen uns Schalentiere zu Zeiten solcher Algenblüten schlecht: Die Gifte führen zu Erbrechen, Lähmungen, Gedächtnisstörungen oder sogar zum Tod – immerhin sind einige 20 Mal stärker als Zyankali. Von Muscheln aus dem Supermarkt dagegen geht heute das ganze Jahr über keine Gefahr mehr aus: Nach dem Fang kommen die Muscheln für zwei Wochen in algenfreies Wasser und erst dann in den Handel.


Wie bilden und öffnen sich ringförmige Atolle?
Heike und Christian Engelhardt, Berlin

Atolle sind Überreste von Vulkanen, die erloschen und im Meer versunken sind. An Hawaii kann man die Entwicklung einer Vulkaninsel in ihren Stadien beobachten. Der Archipel liegt wie eine Perlenkette im Pazifik. Würde dieser leer laufen, sähe man, dass im Nordwesten weitere Perlen der Kette liegen. Sämtliche Inseln Hawaiis, auch die versunkenen, entstanden einst über derselben Stelle. Über diesem „Hot Spot“ bricht immer wieder Magma durch die hier dünne Erdkruste und bildet einen Vulkan. Die Erdplatte, auf der sich der Vulkan bildet, wandert im Lauf der Zeit nach Nordwesten, und der Vulkan erlischt. Kaum ist neues Land geboren, schmirgeln Wind und Wellen es ab. Außerdem drückt sein eigenes Gewicht es langsam hinab. Nach zehn bis 30 Millionen Jahren verschwindet der Vulkan unter dem Wasser. Mittlerweile haben sich im flachen Wasser Korallen angesiedelt. Sind die Hänge gleichmäßig, ziehen sie sich in einem geschlossenen Riff um die Insel. Wachsen die Korallen auf der Suche nach Nährstoffen zu weit nach außen, kann sich das Riff selbst öffnen. Die meisten bricht aber der Ansturm von Wind und Wellen auf. Wachsen die Korallen so schnell, wie der Vulkan sinkt, bleibt das Atoll über Wasser. Schaffen sie es nicht oder steigt das Meer, versinkt eine weitere Perle.


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mare No. 48

No. 48Februar / März 2005

Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.

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