Es gibt die Nordsee, die Südsee und die Ostsee. Gibt es auch eine Westsee?
Rosemarie Acker, Hamburg
„De Westsee is us wohlbekannt. Dahin wöll’n wi nu fahren.“ So heißt es im Störtebeker-Lied über die Kaperzüge des bekanntesten Piraten seiner Zeit. Denn Ende des 14. Jahrhunderts verlegte der Freibeuter seinen Sitz von der Ostsee nach Westen. Westsee hieß bei den Friesen die See im Westen Schleswig-Holsteins. Erst als der Einfluss der Hanse auf die Namensgebung bei Seekarten wuchs, setzte sich „Nordsee“ durch. Sprachlich gesehen stammen die Namen Nord, Ost und Südsee aus dem Mittelhochdeutschen. Sie spiegeln den geografischen Bezug zwischen Hansestädten und den benannten Meeren wider. Im Mittelalter glaubte man, dass die Ostsee Richtung Osten offen sei, und für die Nordsee nahm man an, sie sei nach Norden offen, denn den Weg nach Westen versperrte ja Großbritannien. Vage Annahmen galten später auch für die Südsee, die man bis in die Neuzeit hauptsächlich aus Erzählungen kannte. Es wundert übrigens nicht, dass unsere Nordsee im Dänischen noch heute Vesterhavet, also Westsee heißt. Auch die Esten haben eine Westsee: unsere Ostsee nämlich. Es kommt wohl auch darauf an, wo man steht, wenn man etwas beim Namen nennt.
Was ist Seespargel, und wie isst man ihn?
Helmut Braun, St. Ulrich
„Arme-Leute-Spargel“ hieß der Seespargel früher, denn schon vor 1000 Jahren sammelten ihn vornehmlich holländische, englische und französische Küstenbewohner der unteren Schichten. Heute hingegen bekommt man die Spitzen der grünen, fleischigen Pflanze aus der Familie der Gänsefußgewächse nur in Delikatessenläden und Gourmetrestaurants. Dort wird die knackige Wiederentdeckung gedünstet, als Salat, eingelegt oder roh zu saftigen Preisen angeboten. Das könnte sich ändern: Als erste Nutzpflanze, die sich ausschließlich mit Meerwasser bewässern lässt, birgt sie große Hoffnung für versalzte Böden. Aus den bis zu einem halben Meter hohen Stängeln lässt sich zudem hochwertiges Öl und proteinreiches Mehl gewinnen, das sich gut als Tierfutter eignet. Wenn Sie beim nächsten Strandspaziergang Seespargel für eine exklusive Vorspeise sammeln möchten: Entfernen Sie alles Getier und andere Meerespflanzen, ehe Sie die Spargelspitzen für vier Minuten blanchieren, um überschüssiges Salz zu entfernen. Bon appétit!
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Ihre maritimen Fragen können Sie telefonisch (0800/2182182, kostenfrei) oder per E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Kirsten Achenbach und Cornelia Reichert vom DFG-Forschungszentrum Ozeanränder an der Universität Bremen.
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