Wie koordinieren Schwarmfische ihre Bewegungen?
Karol Premusz, Hamburg
Ein Hai nähert sich, und blitzartig ändern Millionen glänzender Leiber die Richtung. Wie geschieht das? Schließlich können Fische nicht „Achtung!“ oder „Alles nach links!“ rufen. Eine in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichte Studie geht davon aus, dass es genügt, wenn wenige Fische im Schwarm wissen, wohin sie wollen. Fische nehmen über ihr Seitenlinienorgan winzigste Wasserbewegungen wahr. So kontrollieren sie auch Abstand und Schwimmrichtung ihrer Schwarmnachbarn. Auch Augen, Nase und andere Sinne helfen bei der Orientierung. Kommt ihnen ein Nachbar zu nahe, weichen sie aus; ist der Abstand zu groß, schließen sie auf. Ahnt ein Fisch im Schwarm eine Gefahr oder kennt den Weg zu guten Futtergründen, schwimmt er in eine bestimmte Richtung. Die Fische, die eine solche bevorzugte Richtung haben, beeinflussen allein dadurch den Schwarm, dass sie immer wieder ihren Nachbarn auf die Schuppen rücken. Jedes Ausweichmanöver pflanzt sich blitzschnell durch den Schwarm fort. Denn, so die Forscher, den meisten Fischen ist es nicht wichtig, wohin sie schwimmen – Hauptsache, sie schwimmen mit dem Schwarm.
Wie kommt es zu solchen Qualleninvasionen wie in diesem Sommer an Spaniens Mittelmeerküste?
Ingo Boist, Brinkum
Quallenqualen erleiden dieses Jahr Tausende Mittelmeerurlauber, besonders entlang der spanischen Küste. Mehr als 10 000 von ihnen mussten sich bis August behandeln lassen, nachdem sie Bekanntschaft mit der Leuchtqualle Pelagia noctiluca machten. Ihre Invasionen sind nichts Neues. Schon früher wurden Strände gesperrt, wenn warmes Wasser in Küstennähe gelangte und Schwärme der Wärme liebenden Quälgeister mit sich führte. Die globale Erwärmung sorgt aber dafür, dass das Mittelmeer immer mehr zur Badewanne wird, mit bis zu 33 Grad Celsius Wassertemperatur. Vom Menschen eingeleitete Nährstoffe lassen die Algen, die Nahrung vieler Quallen, zusätzlich gedeihen. Hinzu kommt, dass der Mensch fast alle Fressfeinde der Quallen wie Meeresschildkröten und Fische (auch Tun- und Schwertfische) erbarmungslos dezimiert. Lederschildkröten fressen täglich das Doppelte des eigenen Körpergewichts an Quallen. Doch häufig verenden sie in illegalen Treibnetzen. Welches Tier wie viele Quallen frisst, ist übrigens schwer einzuschätzen – solche Fragen klärt man unter anderem, indem man den Mageninhalt gefangener Tiere analysiert. Und Quallen, die 98 Prozent Wasser enthalten, erkennt man in dem Mischmasch nur selten.
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Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800 / 218 218 2, gebührenfrei) oder per E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Kirsten Achenbach und Marco Bosch vom DFG-Forschungszentrum Ozeanränder der Universität Bremen.
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