Wie funktionieren die Nesselzellen von Quallen?
Marina Murkin, Bad Oldesloe
Ein kleiner Krebs schwimmt nichts ahnend durch das Meer. Da streift er unachtsam den Fangarm eines gefährlichen Räubers. Eine Qualle. Durch den plötzlichen mechanischen Reiz des Tentakels schießen einige Nesselzellen ihre Harpunen ab. Mit der Wucht einer Gewehrkugel durchschlagen sie den Panzer des Opfers. Wundsäfte und die Zuckungen des verletzten Tieres signalisieren der Qualle, dass es sich um Beute handelt. Jetzt feuert sie regelrechte Salven von Nesselzellen ab. Deren Wand besteht aus einer stahlharten Proteinkapsel. Darin ruht ein zwei Nanogramm, also Milliardstelgramm leichter, aufgerollter, mit Gift versehener Faden. Wenn die mechanischen und chemischen Reize das Feuer eröffnen, lösen sich in der Zelle Kalziumionen von ihren Speicherproteinen ab. Das verursacht einen Wassereinstrom in die Zelle, sodass der Innendruck auf 140 bar steigt – das entspricht dem Druck in 1400 Meter Wassertiefe. Der Deckel wird dadurch weggesprengt und der Faden herausgeschleudert. Seine Stilettspitze erreicht knapp 70 km/h bei einer Beschleunigung von mehr als dem 5,4-Millionenfachen der Erdbeschleunigung. Das Gift dringt durch die Wunden und tötet den Krebs. Er hatte von Anfang an keine Chance.
Ich habe neulich „Adlerfisch“ genossen. Um welchen Fisch handelt es sich dabei?
Rosemarie Acker, Hamburg
Das von Carl von Linné im 18. Jahrhundert entwickelte System der zweiteiligen (binären) Nomenklatur stellt sicher, dass jede Lebewesenart tatsächlich einen eigenen Namen erhält. Doch nicht allen, die mit Arten umzugehen haben, gilt diese Systematik. Das „Verzeichnis über Handelsbezeichnungen für Erzeugnisse der Fischerei und Aquakultur“ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz regelt, unter welchen Bezeichnungen Meerestiere in Deutschland verkauft werden dürfen. Als „Adlerfisch“ gelten insgesamt zwölf Arten aus sieben Gattungen. Sie alle schmecken ähnlich – ein wichtiges Kriterium – und gehören der 250 Mitglieder zählenden Familie der Umber- oder Trommelfische an. Diese werden so genannt, weil sie mit speziellen Muskeln ihre verzweigte Schwimmblase zum Schwingen bringen. Das erzeugt ein noch aus mehreren Meter Tiefe vernehmbares Trommeln oder Krächzen. Die bei uns auf den Teller gelangenden Arten werden 50 Zentimeter bis über zwei Meter lang und stammen überwiegend aus den Gewässern vor Afrikas Westküste. Auffälligstes Merkmal dieser Barschartigen sind die beiden getrennten, aber dicht hintereinander stehenden Rückenflossen, von denen die hintere deutlich länger ist. Brust- und Bauchflossen sind etwa gleich groß, zwei Stachelstrahlen verstärken die Afterflosse.
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Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.
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