Leser fragen mare

Ihre mare-Hotline in die unerforschten Weiten und Tiefen der Meere

Warum gibt es so viele Länder, die Guyana oder Guinea heißen und am Äquator liegen?
Lennart Wallraf, Berlin

Guyana, Französisch-Guyana, Niederländisch-Guyana (das heutige Suriname), Äquatorial-Guinea, Guinea, Guinea-Bissau und Papua-Neuguinea: kein Wunder, dass man verwirrt ist und sich vielleicht wie ein Guinea Pig, das englische Äquivalent unseres Versuchskaninchens,
vorkommt. Die drei Guyanas, Nachbarn in Südamerika, sind benannt nach dem dortigen gleichnamigen Hochland. Das Wort rührt vom Indiowort gu a yana, was so viel heißt wie „Blüte der Rose", oder von guiana, „Land der vielen Gewässer".
Die drei afrikanischen Guineas leiten ihren Namen von dem Tuareg-Wort aginaw ab, das „Schwarze" bedeutet und wohl auf die Ureinwohner anspielt. Die Ähnlichkeit von Guyana und Guinea ist also ein Zufall. Das Guinea in Papua-Neuguinea hingegen stammt von dem Seefahrer Yñigo Ortiz de Retez. Er nahm die Pazifikinsel 1545 für Spaniens Krone in Besitz. Da ihn die Einwohner an die Guineas erinnerten, nannte er die Insel Neu-Guinea. Das Guinea Pig, Meerschweinchen, hat einer Theorie zufolge seinen Namen der Verwechslung
von Guyana und Guinea zu verdanken. Seine Heimat ist jedoch eindeutig Südamerika, wo es seit Jahrtausenden als Delikatesse gilt. Wahrscheinlicher ist, dass Guinea sich auf die gleichnamige englische Münze bezieht, die einst aus dem Gold Guineas geprägt wurde. Da aus Südamerika zurückkehrende Matrosen in ihren Heimathäfen alles Exotische teuer verkaufen konnten, sollen sie je Meerschweinchen eine Guinea verdient haben, sodass sich dieser Name einbürgerte.


Was ist ein Hühnergott?
Adelheid von Gragert, Montabaur

Am Ostseestrand findet man häufig Steine mit einem natürlich entstandenen Loch, die Hühnergötter. Oft sind es Feuersteine, aus denen sich ein eingeschlossenes Fossil, etwa ein Seelilienstängel, herausgelöst hat. Denn Wellen spülen die von weicheren Kreideeinlagerungen umgebenen Einschlüsse nach und nach heraus. Die Bezeichnung geht auf einen alten, hauptsächlich slawischen Volksglauben zurück, wonach die Steine,
im Stall aufgehängt, das Federvieh vor Kikimora schützen. Kikimora ist eine alte slawische Göttin, die im Lauf der Zeit zum Poltergeist abstieg. Sie hat eine Neigung zu Hausgeflügel, das sie stiehlt oder am Eierlegen hindert. So beschreibt es zumindest das „Wörterbuch der großrussischen Sprache" von Wladimir Dal aus dem 19. Jahrhundert. „Kuriny bog", Hühnergott, bezeichnet im Russischen aber auch gebrauchte und zerschlagene Gegenstände wie Gefäße ohne Boden oder abgetragene Bastschuhe. Im Deutschen taucht der Begriff zum ersten Mal 1927 in einem Buch zur ostslawischen Volkskunde auf. Der Aberglaube von ihrer schützenden Wirkung ist übrigens nicht nur im Osten verbreitet - auch in der Schweiz und in Frankreich schützen sie das Vieh vor Unglück.


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mare No. 62

No. 62Juni / Juli 2007

Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.

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