Leser fragen mare

Ihre mare-Hotline in die unerforschten Weiten und Tiefen der Meere

Wie vermehren sich Seeigel?
Hermine Ulrich, St. Moritz

Auch wenn man es nicht sieht: Es gibt auch bei Seeigeln Männchen und Weibchen. Allerdings kommen sie sich, wie die meisten Wirbellosen, bei der Paarung nicht zu nahe, sondern geben ihre Eier und Samen frei ins Wasser ab – was angesichts ihrer stachligen Natur wohl besser ist. Manche Seeigelarten versammeln sich zur Paarungszeit in Gruppen von zehn bis 30 Tieren. So ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass ein Same auf ein Ei trifft. Zusätzlich gibt das Ei Lockstoffe ab, denen die Spermien folgen. Nach der Befruchtung entwickelt sich aus dem Ei eine Larve, die ein bis mehrere Monate frei durch die Meere schwebt, bevor der Miniseeigel am Meeresboden seine Heimat findet. Stachelhäuter, zu denen neben Seeigeln auch Seesterne, Seegurken, Haar-, Feder- und Schlangensterne zählen, besitzen im erwachsenen Stadium allesamt eine mehr oder weniger fünfstrahlige Symme-trie. Doch ihre Larven besitzen die normale zweiseitige Symmetrie, die auch alle anderen Tiere aufweisen. Geschlechtsreif werden Seeigel je nach Art nach zwei bis fünf Jahren und können sich bis ins hohe Alter fortpflanzen. Rote Seeigel werden immerhin bis zu 200 Jahre alt. Diese Methusaleme produzieren sogar mehr und bessere Samen- und Eizellen als die Jüngeren.

Wie funktioniert die Übersäuerung der Ozeane, und warum können deshalb Kalkalgen ihr Skelett nicht mehr aufbauen? 
Jörg Wendemann, Bremen

Löst sich Kohlendioxid (CO2) in Wasser, reagiert es mit diesem und produziert Kohlensäure (CO2 + H2O ergibt H2CO3). Diese zerlegt sich weiter in die Ionen Hydrogencarbonat (HCO3–) und Carbonat (CO32–), wobei ein beziehungsweise zwei Wasserstoffionen (H+) frei werden. Diese Ionen bestimmen den pH-Wert: je mehr, umso niedriger der pH-Wert, umso saurer die Lösung. Steigt die CO2-Konzentration im Wasser – da mehr aus der Atmosphäre aufgenommen wird –, entsteht mehr Hydrogencarbonat und so mehr H+-Ionen. Um dieses abzupuffern, reagiert ein Teil des Carbonats mit den H+-Ionen und verwandelt sich in Hydrogencarbonat. Carbonat ist das Ausgangsmaterial für die kalkigen Skelette und Schalen von vielen Algen, Seeigeln, Fischlarven, Korallen, Muscheln und Schnecken. Sinkt seine Konzentration, fällt es den Lebewesen schwerer, Kalk abzuscheiden. Zudem löst sich der Kalk bei niedrigerem pH-Wert schneller auf. Die Übersäuerung der Ozeane ist daher ein gewaltiges Problem, das gerade intensiv erforscht wird. Zurzeit liegt der pH-Wert an der Meeresoberfläche im Schnitt bei 8,1 und damit um 0,1 niedriger als noch vor 200 Jahren. Da es sich um eine logarithmische Skala handelt, bedeutet dies etwa 30 Prozent mehr H+-Ionen. Bis 2100 könnte der pH-Wert bis auf 7,7 fallen.


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mare No. 65

No. 65Dezember 2007 / Januar 2008

MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.

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