Leser fragen mare

Ihre mare-Hotline in die unerforschten Weiten und Tiefen der Meere

Wie konnte es zur Havarie der „Shen Neng 1“ im Großen Barriereriff kommen?
Martin Eicher, Regensburg, per E-Mail

Dass der mit allen gängigen navigatorischen Instrumenten ausgestattete chinesische Kohlefrachter am helllichten Nachmittag des 3. April dieses Jahres bei gutem Wetter auf Grund lief, ist auf ein Versagen des Ersten Offiziers zurückzuführen. Das legt ein Bericht der australischen Behörde für Transportsicherheit nahe. Demnach hatte der „Erste“ in der Nacht zuvor die Ladeaktivität im Hafen von Gladstone überwacht und sich nur eineinhalb Stunden Ruhezeit gegönnt. Der sehr erfahrene Kapitän plante, den Frachter durch die Capricorn-Passage auf die offene See zu steuern; er hatte dafür vorab einen zunächst nördlichen Kurs festgelegt. Gegen 15.30 Uhr nachmittags entschied der wachhabende Zweite Offizier, etwa 20 Grad vom vorgesehenen Kurs abzuweichen, um so die Distanz zu der Riffpassage abzukürzen. Darüber informierte er den noch immer sehr müden Ersten Offizier, als dieser eine halbe Stunde später die Wache übernahm. Statt aber die Position zum nächsten Wegpunkt zu berechnen, schätzte der Erste Offizier, dass dieser Punkt wohl gegen 17 Uhr erreicht sein würde, und behielt den anliegenden Kurs bei. Ein fataler Fehler, denn kurz nach 17 Uhr lief das Schiff mit voller Fahrt auf das Riff.

Wie lassen sich die Wassertemperaturen anhand von Sauerstoffatomen abschätzen?
Leo Farkasch, per E-Mail

Der Meeresboden ist ein wichtiges Klimaarchiv, denn in den Ablagerungen sind Umweltinformationen früherer Erdepochen gespeichert. Um diese zu entschlüsseln, ziehen Forscher auf ihren Expeditionen Sedimentkerne aus dem Ozeangrund. Aus den Ablagerungen schlämmen sie die Kalkschalen bestimmter Kleinstlebewesen. Diese Foraminiferen, die seit Jahrmillionen die Ozeane bevölkern, bauen die im Meerwasser enthaltenen Sauerstoffisotope in ihre Schalen ein. Anhand der Schalen bestimmen die Forscher im Labor das Verhältnis von Sauerstoff-18 zu Sauerstoff-16, also das des mit 18 Neutronen schwereren Sauerstoffisotops zu dem leichteren mit nur 16 Neutronen. Generell verdunsten vermehrt Wassermoleküle mit den leichteren Sauerstoffatomen. Solange es kalt ist, werden diese leichten Sauerstoffisotope letztendlich in den Eiskappen der Pole festgesetzt. Wenn sich das Klima erwärmt, schmilzt das Eis, und die leichten Sauerstoffatome werden dem Ozean wieder zugeführt. Das Verhältnis der Sauerstoffisotopen 18 zu 16 ist im kalten Ozean also größer und wird im wärmeren Ozean kleiner. Über bestimmte Umrechnungen können die Wissenschaftler von den geänderten Isotopenverhältnissen auf die Temperaturschwankungen der Ozeane rückschließen.

Dies ist ein Auszug aus dem Text. Den ganzen Beitrag lesen Sie in mare No. 80. Abonnentinnen und Abonnenten lesen ihn auch hier im mare Archiv.

mare No. 80

No. 80Juni / Juli 2010

MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.

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