Leser fragen mare

Ihre mare-Hotline in die unerforschten Weiten und Tiefen der Meere

Kann das Öl aus der Havarie im Golf von Mexiko in den Golfstrom und damit nach 
Europa gelangen?
Nicole Mertz, per E-Mail

Nach der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ flossen 4,9 Millionen Barrel Öl in den Golf von Mexiko. Angeblich wurde ein Drittel aufgefangen, und 41 Prozent verdunsteten oder lösten sich in mikroskopisch kleine Tröpfchen auf. Auch an Land und am Meeresgrund lagerten sich Ölklumpen ab. Was mit dem restlichen, im Meer verbliebenen Öl passiert, ist umstritten. Es könnte mit dem „Loop Current“, der eine Schleife durch den Golf zieht und schließlich den Golf- beziehungsweise Nordatlantikstrom speist, verdriftet werden. „Glücklicherweise verlief diese Strömungsschleife in den letzten Monaten meist südlich der verschmutzten Wassermassen“, sagt Ian MacDonald von der Florida State University. „Anderenfalls wäre womöglich mehr Öl in den Golfstrom gelangt.“ Martin Visbeck vom IFM-Geomar Kiel relativiert diese optimistische Sicht. Auf der Basis von 20 Modellrechnungen kommt er zu dem Schluss, dass nach sechs Monaten etwa 50 Prozent des belasteten Wassers aus dem Golf in den Atlantik exportiert werden. Tröstlich zu wissen, dass das ölverschmutzte Wasser auf dem langen Weg an die europäischen Küsten auf homöopathische Dosen verdünnt und damit im Vergleich zu „normalen“ Ölverschmutzungen vernachlässigt werden kann.


Wie alt werden Nordseemuscheln, und woran sind die Muscheln gestorben, deren Schalen man an den Nordseeküsten findet?
Karsten Jacob, per E-Mail

Wer seine Muschelfunde aus dem Sommerurlaub am Meer wieder hervorkramt, kann ganz leicht das Alter der Muscheln abschätzen: Man zählt einfach die Jahresringe. Denn ähnlich wie Bäume bilden Muscheln in ihren Schalen Wachstumsringe. Die maximale Lebensspanne einer Muschel ist abhängig von der Art. So werden Sandklaffmuscheln bis 
zu 13 Jahre alt, Pazifische Austern maximal 40 Jahre. Der Methusalem 
unter den Muscheln ist die Islandmuschel. Wenige Exemplare werden mehr als 400 Jahre alt. Dies macht sie zu gefragten Forschungsobjekten, da sie zu Lebzeiten in ihrer Schale Informationen über die Umweltbedingungen in der Nordsee speichern. Durch die Fischerei sind die Bestände der Islandmuschel in der Nordsee jedoch stark zurückgegangen. Aber auch strenge Winter und die Versauerung der Ozeane wirken sich negativ auf die Bestände aus. Die natürlichen Feinde der Muscheln sind vor allem Seevögel, die mit ihren Schnäbeln die Schalen zu knacken versuchen. Aber auch bei manchen Fischen und Seesternen stehen 
Muscheln auf dem Speiseplan. Seesterne 
können Schalen sogar mit ihren Armen auseinanderdrücken. Dann stülpen sie ihren Magen in die Muschel und verspeisen diese.

Dies ist ein Auszug aus dem Text. Den ganzen Beitrag lesen Sie in mare No. 82. Abonnentinnen und Abonnenten lesen ihn auch hier im mare Archiv.

mare No. 82

No. 82Oktober / November 2010

MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

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