Seit wann gibt es Aufzeichnungen über Abbrüche an der Ostseeküste?
Wolfgang Althof, per E-Mail
Wind und Wetter nagen seit je an den Steilufern der Ostseeküste, zuletzt auf Rügen und in der Eckernförder Bucht. „Etwa 70 Prozent der deutschen Ostseeaußenküsten unterliegen der Abtragung“, sagt Professor Ralf-Otto Niedermeyer vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Güstrow. In einem Kataster hat das Landesamt gut 600 Abbrüche protokolliert. Es umfasst auch ältere Vorfälle; etwa den von 1958, als auf Rügen nach winterlichen Regenfällen 15 000 Kubikmeter Kreide und Geschiebemergel in die Tiefe rauschten. In der Fachliteratur sind diese älteren Ereignisse gut dokumentiert. Ernst Günter Kannenberg hat sich, beginnend mit seiner 1950 erschienenen Dissertation, den Küstenabbrüchen in Schleswig-Holstein gewidmet. In einer klassischen Studie, die bereits 1914 erschien, beschreibt Konrad Keilhack den Abbruch von 250 000 Kubikmeter Kreide als Folge einer winterlichen Sturmflut im Bereich der Wissower Klinken auf Rügen. Wesentlich weiter reichen geologische Untersuchungen zurück: Im Bereich der Kieler Bucht zeigen bathymetrische Karten in 14 bis 16 Meter Wassertiefe ein Steilufer, das vor über 9000 Jahren bei nacheiszeitlich niedrigerem Meeresspiegel geformt wurde und sicherlich ebenfalls von Abbrüchen betroffen war.
Ist der geplante Ausbau der Windkraftanlagen auf See verantwortbar für die Unterwasserwelt?
Helmut Braun, St. Ulrich
Ein Antrag auf den Bau eines Offshore-Windparks kann nur genehmigt werden, wenn zum einen die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs nicht beeinträchtigt und zum anderen die Meeresumwelt einschließlich des Vogelzugs nicht gefährdet wird. Daher hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie schon Anträge auf Windparks in der Ostsee aus Meeresschutzgründen abgelehnt. Zukünftige Betreiber müssen durch Untersuchungen, sogenannte Monitorings, während der Bauphase, der Betriebsphase und des Rückbaus Auswirkungen auf die Meeresumwelt dokumentieren. So wurde beobachtet, dass beim Einrammen der Sockel Schweinswale das Gebiet verlassen. Um diese Lärmbelästigung zu verringern, hat das Bundesumweltamt einen Grenzwert bestimmt. Im niederländischen Windpark Egmond aan Zee wurden indes positive Auswirkungen während des Betriebs beobachtet: Die Vielfalt und Anzahl der am Boden lebenden Organismen nahm zu, und manche Fischarten wie der Dorsch scheinen Schutz zwischen den Windmühlen zu finden – hier ist das Fischen untersagt. Aber weitere Studien sind unumgänglich, denn für viele Arten wie etwa Seehunde liegen nicht genügend Daten vor.
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Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.
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