Lebenssee und Schiffbruch

Fundstücke aus Kunst und Literatur

Die Havarie als Sinnbild des Scheiterns, beweint von einer Singdrossel. Der schottische Künstler John Bellany (geb. 1942) ist in einem windigen Küstenort groß geworden, das Leben mit dem Meer ist ihm eine stete Inspiration, aber keine romantische Vorlage. Er habe gelernt, „den Schrecken zu malen“, hat er einmal gesagt. Joachim Ringelnatz (1883–1934), Dichter, Kabarettist, Maler und zeitweilig Seemann, schmückt den Horror ganz genüsslich als betrunkene Vergeltungsfantasie aus. Womöglich hat er dabei an seinen ersten Kapitän gedacht, der ihn in Anspielung auf sein markantes Riechorgan als „Nasenkönig“ verhöhnt haben soll. Bei Ernest Hemingway (1899–1961) hat die private Katastrophenstimmung einen existenziellen, ungleich finstereren Unterton. Ein Mann auf der Flucht findet ein Wrack, aus dem es am Ende für ihn, den Plünderer, nichts mehr zu holen gibt. Der depressive Autor hat sich, wie hinlänglich bekannt, nach mehreren Klinikaufenthalten mit seinem Jagdgewehr erschossen. mw

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  mare No. 72

No. 72Februar / März 2009

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