„Schiffbruch erleiden“ ist mehr als eine Metapher für persönliches Scheitern. Seefahrt endete für unzählige Menschen tödlich – und tut es immer noch. Der deutsche Künstler Martin Kippenberger (1953–1997) hat sich in seiner Serie „Das Floß der Medusa“ auf das berühmte gleichnamige Gemälde des französischen Malers Théodore Géricault bezogen, das den Überlebenskampf der Schiffbrüchigen einer 1816 auf Grund gelaufenen französischen Fregatte auf einem Floß zeigt, der in Kannibalismus endet. Dass der Amerikaner Herman Melville (1819–1891) nicht nur ein begnadeter Erzähler („Moby-Dick“), sondern auch Lyriker war, ist wenig bekannt. In seinem Gedicht „Auf hoher See“ ist das Floß leer; man erfährt nicht, ob die Matrosen überlebt haben, wahrscheinlich nicht. Deutlich wird aber in den wenigen Zeilen, wie mächtig die Natur ist und wie unbedeutend der Mensch. Das ist auch das Thema der Erzählung „Das offene Boot“ des amerikanischen Schriftstellers Stephen Crane (1871–1900), in der vier Seeleute in einem Rettungsboot einer Katastrophe entkommen. Die Beziehung der Männer spielt eine genauso bedeutende Rolle wie die großen Fragen des Lebens, die in Extremsituationen wie durch ein Brennglas betrachtet werden. zdb
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