Korallen

Fundstücke aus Kunst und Literatur

„Behutsam fasst sie die Dinge an, die ihre Augen sehen“, schrieb „Das Magazin“ 1931 über Aenne Biermann (1898–1933). Sie hatte sich ihre Kunst selbst beigebracht und fehlte dennoch in keiner Ausstellung avantgardistischer Fotografie zwischen den Weltkriegen. Mit nur 34 Jahren verstarb Biermann, der Großteil ihres Werks aus gut 3000 Negativen wurde bei der Emigration ihrer Familie von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und ist verschollen. Doch ein zu Lebzeiten veröffentlichter Bildband „Aenne Biermann: 60 Fotos“ ist dieses Jahr als Reprint erschienen. Behutsam, beinahe zärtlich beschreibt auch der österreichische Schriftsteller Joseph Roth (1894–1939) die Schönheit der Korallen. In seiner Erzählung „Der Leviathan“ sind sie Sehnsuchtsobjekt und Ware eines Händlers im früheren Galizien. Reiche Bauern sind seine Kunden, die Bäuerinnen tragen Korallen als Schutz vor dem bösen Blick und als Schmuck um den Hals. Ebenso rot wie die Liebe erscheinen sie im Gedicht des Berliner Schriftstellers Michael Wildenhain (geboren 1958), Symbol einer Erinnerung, die verblasst ist wie die wundersamen Organismen im Meer. mw


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mare No. 136

No. 136Oktober / November 2019

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