„Warum sprechen, wenn man malen kann?“ Der US-Künstler Milton Avery (1885–1965) wird gern mit diesem Satz zitiert. Er war ein lange verkannter Meister der Farbe, spät bewundert für die unmittelbare Kraft seiner Bilder, die zeigen, was Worte nicht beschreiben können: ein Morgen am Meer, das wiederkehrende Licht des Tages, eine einsame Erfahrung, ehe der Rest der Welt erwacht. Im Werk des irischen Lyrikers Matthew Sweeney (geb. 1952) geht es oft um Einzelgänger und verlorene Gefühle, er ist an der schroffen Nordküste Irlands aufgewachsen, umgeben vom tosenden Atlantik, die beste Schule für wohlformulierte Melancholie. Für den Schriftsteller Danilo Kiš (1935–1989), Sohn eines ungarischen Juden, ist die Aussicht auf den Morgenhimmel über der Bucht von Kotor ganz persönliche Trauerarbeit. Es ist der Blick des Vaters, der in Auschwitz ermordet wurde, den er sucht. mw
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