„Ich war selbst erstaunt, als ich meine Bilder sah“

Der Münchner Unterwasserfotograf Reinhard Dirscherl macht bei nächtlichen Tauchgängen winzige Lebewesen sichtbar. Deren überirdische Schönheit ist betörend

mare: Ihre Bilder wirken, als kämen sie von einem anderen Planeten. Warum sehen diese Meerestiere für uns wie Außerirdische aus?

Reinhard Dirscherl: Weil wir sie in einem Stadium sehen, das unserem Blick normalerweise verborgen bleibt. Die meisten sind Larvenstadien. Viele dieser Tiere kennen wir nur als erwachsene Bodenbewohner – Fische, Krebse, Tintenfische. Als Larven treiben sie frei im Wasser. Sie sind transparent, die Proportionen wirken fremd.

Wir sind also so irritiert, weil unser Auge an „fertige“ Tiere gewöhnt ist?

Im Grunde ja. Ich war selbst erstaunt, als ich meine Bilder sah. Diese Jungtiere existieren aber meist in Tiefen, in die Sporttaucher nie kommen. Erst nachts steigen sie auf. Das ist der Moment, auf den man beim Blackwater Diving wartet.

Was treibt diese Tiere denn nach oben?

Das ist ein natürlicher, täglicher Zyklus. Nachts steigt Zooplankton aus der Tiefe in Richtung Oberfläche, wo es mehr Nahrung gibt. Viele dieser Organismen orientieren sich am Licht des Monds. Auch die Larven, die ich fotografiere, gehören in diesem Stadium zum Zooplankton – sie sind Teil dieser nächtlichen Wanderung. In der Biologie nennt man diese Massenbewegung vertikale Migration.

Sie brauchen also perfektes Mondlicht, damit Ihre Motive zu Ihnen kommen?

Nein, so einfach ist das leider nicht. Im Gegenteil: Wenn der Mond hell scheint, steigen zwar Zooplankton und andere Jungtiere auf – aber sie verteilen sich so sehr, dass man als Fotograf kaum eine Chance hat, sie vor die Linse zu bekommen. Ich brauche eine möglichst dunkle Nacht – am besten Neumond oder zumindest dichte Wolken, die den Mond verdecken. Dann wird meine Beleuchtung zur einzigen starken Lichtquelle. Mit den LED-Lampen imitiere ich gewissermaßen den Mond. Und das Leben sammelt sich im Lichtkegel.


Dies ist ein Auszug aus dem Text. Den ganzen Beitrag lesen Sie in mare No. 177. Abonnentinnen und Abonnenten lesen ihn auch hier im mare Archiv.


mare No. 177

mare No. 177August / September 2026

Von Jan Keith und Reinhard Dirscherl

Reinhard Dirscherl, Jahrgang 1964, lebt und arbeitet als freiberuflicher Unterwasserfotograf in München. Seine Aufnahmen aus nahezu allen Weltmeeren erscheinen regelmäßig in internationalen Magazinen und Bildbänden.

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Vita Reinhard Dirscherl, Jahrgang 1964, lebt und arbeitet als freiberuflicher Unterwasserfotograf in München. Seine Aufnahmen aus nahezu allen Weltmeeren erscheinen regelmäßig in internationalen Magazinen und Bildbänden.
Person Von Jan Keith und Reinhard Dirscherl
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