Im Jahr 1903 zog der Maler Emil Nolde (1867–1956) auf die Ostseeinsel Alsen und baute sich aus Brettern ein Atelier direkt an den Strand. Von 1909 bis 1910 entstand dort der Gemäldezyklus „Herbstmeer“. Expressionistische Wolkentürme, wilde See, Bilder einer Jahreszeit, die die Gemüter der Kunstschaffenden seit je bewegt – als Vorbote der Winterkälte, melancholisch und aufwühlend zugleich. Der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer (geboren 1931) braucht nur wenige Worte, um diese Stimmung kunstvoll zu verdichten. Die Natur ist das Subjekt seiner meisterhaft präzisen Lyrik, 2011 bekam er für sein karges Werk den Nobelpreis für Literatur. Die allegorische Erzählung des chinesischstämmigen Literaturnobelpreisträgers Gao Xingjian (geboren 1940), die den einsamen Überlebenskampf eines Schwimmers im herbstkalten Meer schildert, entstand, bevor der Schriftsteller, der während der Kulturrevolution zehn Jahre in einem Umerziehungslager verbrachte, politisches Asyl in Frankreich suchte, wo er bis heute lebt. mw
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