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mare: Herr Schmuck, Sie sind im Goethe-Nationalmuseum in Weimar Kustos der naturwissenschaftlichen Sammlungen von Goethe. Wie wird man das?
Thomas Schmuck: Ich habe Zoologie, Botanik, Literaturwissenschaft und Geschichte studiert. Ich habe eine Dissertation über Alexander von Humboldt geschrieben, meine erste Magisterarbeit über Wieland und die zweite über Ameisen, ohne dabei jemals die Idee zu hegen, hierherzukommen.
Haben Sie damit die perfekten Voraussetzungen für Ihren jetzigen Posten?
Die gibt es wahrscheinlich nicht, weil hier so viele Gebiete versammelt sind: Farbenlehre, Physik, Chemie, Botanik, Anatomie, Zoologie, Medizin, Meteorologie, Astronomie – wer kann das alles überblicken? All diese Disziplinen beginnen sich in der Goethe-Zeit zu entfalten, auch Goethe hat sie bei Weitem nicht überblickt, war aber trotzdem auf vielen Gebieten tätig. Er war aus meiner Sicht kein Universalgenie, aber er hat sich bis in die letzten Tage seines Lebens für alles nur Denkbare interessiert, mit einer unglaublichen Konsequenz. Letztlich ist die Sammlung ein unbekanntes Werk von Goethe.
Was machen Sie hier genau?
Um das zu verstehen, muss man erst einmal wissen, wie groß die Sammlung ist. Nach Schätzungen haben wir hier 23 000 Objekte, davon etwa 18 000 Gesteine, Mineralien, Fossilien, der Rest gehört zum Bereich der Farbenlehre, zur Physik, zur Chemie und zu den belebten Wissenschaften, Zoologie und Botanik, mit einem Herbar, das über 2000 Blätter umfasst. Goethe war ja nicht nur ein interessierter Dilettant, er hat aktiv und sehr kundig geforscht. Seine Studien in der Geologie etwa sind fast unbekannt, weil er kein großes Werk dazu geschrieben hat wie zur Farbenlehre. Die Farbenlehre hat Goethe selbst übrigens als sein bedeutendstes Werk, noch vor dem „Faust“, betrachtet.
Wie konnte diese riesige Sammlung zwei Jahrhunderte mit zwei Weltkriegen überstehen?
Sie war während des Zweiten Weltkriegs wahrscheinlich im jetzigen Eingangsbereich des Museums untergebracht. Wenn die Bombe dort eingeschlagen hätte, wäre sie nicht mehr erhalten, die Bombe hat aber im Urbinozimmer eingeschlagen. Die Geowissenschaftliche Sammlung hat sogar weitgehend ihre ursprüngliche Ordnung. Das ist etwas Besonderes, es gibt kaum Sammlungen der Zeit, die im Originalzustand erhalten sind. Mit der Anordnung aber verschwindet auch die Fragestellung, die hinter diesen Ordnungen steht.
Dies ist ein Auszug aus dem Text. Den ganzen Beitrag lesen Sie in mare No. 178. Abonnentinnen und Abonnenten lesen ihn auch hier im mare Archiv.
| Seitenzahl | 86 |
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| Vita | Thomas Schmuck ist Kustos der naturwissenschaftlichen Sammlungen von Goethe im Goethe-Nationalmuseum in Weimar. |
| Person | Ein Interview von Martina Wimmer |
| Seitenzahl | 86 |
| Vita | Thomas Schmuck ist Kustos der naturwissenschaftlichen Sammlungen von Goethe im Goethe-Nationalmuseum in Weimar. |
| Person | Ein Interview von Martina Wimmer |