„Ein Kapitän muss zuhören können“

Einen Eisbrecher der Küstenwache durch die Arktis zu führen verlangt nach starken Fähigkeiten – sagt sein Kapitän im Interview

mare: Herr Hansen, im August 2019 war die „Svalbard“ als erstes norwegisches Schiff überhaupt am Nordpol. War diese Fahrt auch ein politisches Statement, eine Art Machtdemonstration in der Arktis, die mit ihrem Rohstoffreichtum viele Nationen lockt?

Eirik Sannes Hansen: Wenn Sie ein politisches Statement gegenüber den Nationen, die direkt an die Arktis grenzen, wie zum Beispiel Kanada oder Russland, meinen: Nein, das war es sicher nicht. Natürlich verfolgt Norwegen in der Arktis Interessen. Daher benötigt man ein Schiff, das mit den Bedingungen in der Arktis auch im Winter zurechtkommt. Aber damals waren wir auf einer Forschungsfahrt. Wir hatten Wissenschaftler aus dem norwegischen Forschungsprojekt CAATEX an Bord, die den Wärmegehalt des Wassers unter dem arktischen Meereis gemessen haben. Die Eis- und Wetterbedingungen waren optimal. Es wurde spontan entschieden, zum Nordpol zu fahren – als die ersten Norweger. Darauf sind wir recht stolz, denn ein Stück weit haben wir an dem Tag Geschichte geschrieben. Aber natürlich sind die US-Amerikaner, die Russen oder auch die Chinesen schon viele Jahre vor uns dort gewesen. Insofern war das sicher kein politisches Statement, sondern einfach ein günstiger Moment, den wir genutzt haben. Und für die Forscher war es eine gute Gelegenheit, Messungen weit im Norden zu machen.

Auch wenn Sie immer wieder Forscher mit an Bord haben, ist die „Svalbard“ ja in erster Linie ein Schiff der Küstenwache. Welche Aufgaben hat sie? 

Neben der Seenotrettung zählt zu unseren Aufgaben vor allem die Kontrolle von Fischerbooten, um illegale Fischerei zu verhindern. Es geht uns darum, die wertvollen Fischbestände im hohen Norden zu schützen. Immerhin ist Fisch auch heute noch eines der wichtigsten Exportgüter Norwegens – vor allem für Europa, Großbritannien und die Vereinigten Staaten, aber auch für Asien. Zum Ende einer Fischfangsaison gehen wir öfter bei Fischerbooten längsseits, um zu prüfen, ob die Mannschaft das Fanggeschirr tatsächlich bereits vertäut und verstaut hat oder ob sie vielleicht doch noch fischt. Mit ihrer Zugkraft von rund 100 000 Tonnen kann die „Svalbard“ sogar große Schiffe abschleppen. Da die Küstenwache in Norwegen der Marine unterstellt ist, haben wir auch eine Kanone als Bordbewaffnung. Trotz seiner Stärke ist das Schiff aber nicht besonders schnell. Verfolgungsjagden können wir damit nicht machen. Wir schaffen maximal 18 Knoten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Rumpf die typische rundliche Eisbrecherform ohne Kiel hat. 

Als die „Svalbard“ im Jahr 2001 in Dienst gestellt wurde, war sie der erste norwegische Eisbrecher. Was macht das Schiff so besonders?

Das Schiff ist einzigartig in der gesamten norwegischen Flotte. Es ist extrem manövrierfähig, weil es über zwei Propellergondeln angetrieben wird, die am Rumpf hängen und um fast 360 Grad schwenkbar sind. Die Gondeln wiegen je 110 Tonnen und sind sehr stark. Die „Svalbard“ kann innerhalb der Schiffslänge von 104 Metern von null auf zehn Knoten beschleunigen, etwa 19 Kilometer in der Stunde – das ist enorm bei der Größe und dem Gewicht. Normalerweise lassen wir nur die Hälfte der Power von der Leine. Die ganze Kraft brauchen wir, wenn wir durchs Eis fahren. Wenn wir festsitzen, fahren wir ein Stück zurück, um Schwung zu holen und das Eis zu brechen. Die Propeller bestehen aus hartem Stahl und sind so stabil, dass sie Eis zermahlen können. Ich schätze, dass sie bei all den Fahrten schon Millionen Tonnen Eis zerkaut haben. Aber sie sehen immer noch wie neu aus. 

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mare No. 149

mare No. 149Dezember / Januar

Von Tim Schröder und Paolo Verzone

Der Oldenburger Wissenschaftsjournalist Tim Schröder, Jahrgang 1970, hat schon öfter davon geträumt, wie Eirik Sannes Hansen durch die Arktis zu fahren. 180 Tage im Jahr müssen es aber nicht sein.

Der italienische Fotograf Paolo Verzone, Jahrgang 1967, Mitglied von Agence VU, war 2014 erstmals auf Spitzbergen und ist seither immer wieder zurückgekehrt. Bei Redaktionsschluss hielt er sich dort auf, um den mare-Bildband „Spitzbergen“ zu fotografieren, der im März 2022 erscheint.

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Vita Der Oldenburger Wissenschaftsjournalist Tim Schröder, Jahrgang 1970, hat schon öfter davon geträumt, wie Eirik Sannes Hansen durch die Arktis zu fahren. 180 Tage im Jahr müssen es aber nicht sein.

Der italienische Fotograf Paolo Verzone, Jahrgang 1967, Mitglied von Agence VU, war 2014 erstmals auf Spitzbergen und ist seither immer wieder zurückgekehrt. Bei Redaktionsschluss hielt er sich dort auf, um den mare-Bildband „Spitzbergen“ zu fotografieren, der im März 2022 erscheint.
Person Von Tim Schröder und Paolo Verzone
Vita Der Oldenburger Wissenschaftsjournalist Tim Schröder, Jahrgang 1970, hat schon öfter davon geträumt, wie Eirik Sannes Hansen durch die Arktis zu fahren. 180 Tage im Jahr müssen es aber nicht sein.

Der italienische Fotograf Paolo Verzone, Jahrgang 1967, Mitglied von Agence VU, war 2014 erstmals auf Spitzbergen und ist seither immer wieder zurückgekehrt. Bei Redaktionsschluss hielt er sich dort auf, um den mare-Bildband „Spitzbergen“ zu fotografieren, der im März 2022 erscheint.
Person Von Tim Schröder und Paolo Verzone