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Zeigt ein Kompass immer nach Norden?
Sylvia Grandinetti, Bonn

Seit Jahrhunderten ist ein Kompass zur Navigation auf See und an Land unerlässlich. Bereits seit der Antike ist bekannt, dass sich Splitter von Magnetgestein in Nord-Süd-Richtung ausrichten. Im China des elften Jahrhunderts wurden die ersten Kompasse mit schwimmenden, nach Norden weisenden Magnetnadeln konstruiert. Die Funktionsweise eines Magnetkompasses basiert auf dem Erdmagnetfeld. Gewaltige Strömungen im flüssigen äußeren Erdkern erzeugen ein für den Menschen unsichtbares Magnetfeld um die Erde mit einem Nord- und einem Südpol, als liege im Inneren der Erde ein großer Stabmagnet. Doch zeigt ein Magnetkompass genau genommen tatsächlich nicht exakt zum geografischen Norden. Da die Strömungen im Erdkern, die für das Magnetfeld verantwortlich sind, nicht exakt symmetrisch sind, liegt der magnetische Pol einige Hundert Kilo­meter vom geografischen Nordpol entfernt. Anders als der geografische Nordpol ist der magnetische Pol außerdem kein fester Punkt, sondern wandert aufgrund von Variationen in den Strömen des Erdkerns aktuell jedes Jahr etwa 40 Kilometer aus der kanadischen Arktis in Richtung Sibirien. In niedrigen und mittleren Breiten sind die ­Abweichungen zwischen dem magnetischen und dem geografischen Pol vernachlässigbar, doch speziell bei der Navigation in polaren Gebieten muss diese Abweichung berücksichtigt werden. Auf modernen Schiffen werden zur Kursbestimmung immer noch Kompasse eingesetzt. Heute verwendet man allerdings statt Magnetnadeln sogenannte Kreiselkompasse, die anhand der Erd­rotation den Norden weisen und daher nicht zum magnetischen, sondern tatsächlich zum geografischen Nordpol zeigen. Da der Kreiselkompass jedoch eine Stromversorgung benötigt, haben auch moderne Schiffe für den Fall eines Stromausfalls weiterhin einen Magnetkompass an Bord.


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mare No. 175

mare No. 175April / Mai

MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

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