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Ein gottverlassenes Höllenloch soll dieses New South Wales am anderen Ende der Welt sein, raunte man sich im Gefängnis zu. Aber schlimmer als der Galgen kann es nicht sein, sagte sich die 15-jährige Mary „Molly“ Haydock, deren Todesstrafe gerade in eine Deportation in die neuen Kolonien in Australien umgewandelt worden war. Dorthin verbannte Großbritannien seit 1788 Sträflinge und schlug damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen wurden die überfüllten Gefängnisse entlastet, zum anderen wurde der neu eroberte Kontinent kolonisiert. „Freie“ Engländer zog es aufgrund der Entfernung und des Mangels an Anreizen kaum dorthin.
Mary, Kosename Molly, die nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei ihrer Großmutter in Blackburn in der Grafschaft Lancashire aufwuchs, war wenige Monate zuvor als Junge verkleidet wegen Pferdediebstahls verhaftet und zum Tod verurteilt worden. Die Großmutter war alles für Molly. Sie ließ dem als eigensinnig und lernbegierig geltenden Mädchen privaten Unterricht in Lesen, Schreiben und Mathematik zukommen.
Als die alte Dame 1790 schwer erkrankte und sich nicht länger um Molly kümmern konnte, schickten Verwandte die 13-Jährige in ein örtliches Internat. Nach dem Tod ihrer Großmutter im Juni 1791 lief Molly von der Schule weg. Sie schnitt sich ihre langen Haare ab, schlüpfte in Jungenkleidung und nahm den Namen eines unlängst verstorbenen Freundes, James Burrows, an. Als dieser schlug sie sich ins 42 Meilen entfernte Chester durch, stahl dort ein Pferd und ritt nach Stafford, wo sie das Tier verkaufen wollte. Dass der ärmlich gekleidete Junge Eigentümer eines Pferdes sein sollte, nahm man „ihm“ nicht ab. Molly wurde als Dieb entlarvt, in eine Zelle des Gefängnisses von Staffordshire geworfen und wenige Tage später als James Burrows zum Tod am Galgen verurteilt.
Was heute nach einem Jugendstreich klingt, war im England des 18. Jahrhunderts ein Kapitalverbrechen. Wer ein Pferd stahl, gefährdete die wirtschaftliche Existenz seines Besitzers. Molly hatte Glück. Sie wurde begnadigt, weil sie fast noch ein Kind war. Ihr Todesurteil wurde in sieben Jahre Zwangsarbeit in New South Wales umgewandelt. Ihre Verkleidung als Junge flog auf, als ein Gefängnisarzt die Gefangenen untersuchte, die deportiert werden sollten. Molly wurde in eine Frauenzelle verlegt und am 30. Mai 1792 im englischen Torbay an Bord der „Royal Admiral“ gebracht, Ziel: New South Wales. In der Kolonie lebten damals 1200 Menschen – ein Mix aus Sträflingen, Siedlern und Soldaten.
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Cornelia Lohs, Jahrgang 1960, ist freie Journalistin und Reisebuchautorin in Heidelberg. Ein australischer Dollarschein, gefunden zwischen den Seiten eines Buchs in einem britischen B&B, brachte alles ins Rollen: Das Porträt zeigte Mary Reibey – einen Namen, den die Autorin noch nie gehört hatte. Aus der Neugier wurde eine spannende Spurensuche.
| Seitenzahl | 36 |
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| Vita | Cornelia Lohs, Jahrgang 1960, ist freie Journalistin und Reisebuchautorin in Heidelberg. Ein australischer Dollarschein, gefunden zwischen den Seiten eines Buchs in einem britischen B&B, brachte alles ins Rollen: Das Porträt zeigte Mary Reibey – einen Namen, den die Autorin noch nie gehört hatte. Aus der Neugier wurde eine spannende Spurensuche. |
| Person | Von Cornelia Lohs |
| Seitenzahl | 36 |
| Vita | Cornelia Lohs, Jahrgang 1960, ist freie Journalistin und Reisebuchautorin in Heidelberg. Ein australischer Dollarschein, gefunden zwischen den Seiten eines Buchs in einem britischen B&B, brachte alles ins Rollen: Das Porträt zeigte Mary Reibey – einen Namen, den die Autorin noch nie gehört hatte. Aus der Neugier wurde eine spannende Spurensuche. |
| Person | Von Cornelia Lohs |