Aphrodites feuchte Früchte

Fundstücke aus Kunst und Literatur

Wie viele Tiere haben es geschafft, zum Symbol des hemmungslosen Genusses zu werden? Die Auster steht für Dekadenz, Völlerei, obszöne Gelage, sie ist Sinnbild des weiblichen Geschlechts, erwachsen aus den Meeren. So hat die edle Molluske auch Eingang in die Kulturgeschichte gefunden. Am Anfang ist da ein ganz normales Tier mit seinen ureigenen Bedürfnissen. Der englische Schriftsteller Nicholas Shakespeare (geboren 1957) schildert in seinem Roman „Sturm“ (marebuchverlag, 2007) Mühe und Freude einer Austernzüchterin, vergisst aber nicht die Nöte des Tieres an sich. Um den Genuss der Früchte des Meeres geht es in Jean-François de Troys (1679–1752) spätbarockem Austernmittagsmahl. Nur Männer genießen schwelgerisch die köstlichen Muscheln samt Champagner. Der 1939 in Dresden geborene Schriftsteller Volker Braun belässt es nicht bei Konnotationen – er nennt die Sache beim Namen. zdb

 

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mare No. 66

No. 66Februar / März 2008

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