Max Beckmann (1884–1950) war nach Hitlers Machtergreifung gezwungen, sich ins Private zurückzuziehen; mehr denn je war er an seine junge Frau gebunden, wie es auch auf „Reise auf dem Fisch“ zu sehen ist. Oftmals werden die Fische als die Träger, die das Paar zu neuen Ufern führen sollen, interpretiert. Beckmann emigrierte denn auch drei Jahre später. Das Gedicht des Berliner Lyrikers Michael Speier (geboren 1950), des Gründers und Herausgebers der Lyrikzeitschrift „Park“, ist ein Aufruf zu einer Reise zu zweit. Wohin sie führen wird, ist ungewiss, aber verheißungsvoll und voller Erotik scheint sie zu sein. Ganz anders die Fabel des um 600 vor Christus lebenden griechischen Dichters Äsop, von dem man kaum mehr weiß, als dass er ein Sklave war. Der Affe, der von dem Delfin aus einem Schiffbruch gerettet wird, wird bestraft für seine Überheblichkeit. Reisen, so lernen wir, können zu unserem Schicksal werden. Aber das liegt nicht nur in unserer Hand. zdb
Michael Speier
NACH AMARANT
heut ersäuft uns ein heute!
wo es uns hinschmeckt
sahen wir körper
bettenschillern im salz
fruchtschiffe flogen
kielspurschamade um fünf
verlorene tange
komm, wir aasen!
unter der haut ist’s dunkel
fahrn adern aus
fischrot und lust
bis es uns hinschäumt
ans ende der körper
Äsop
Der Delfin und der Affe
Auf einem Schiffe, welches im Sturme unterging, befand sich auch ein Affe. Als nun die Menschen ihr Leben durch Schwimmen zu retten suchten und der Affe aus Gesellschaft ein Gleiches tat, nahm in ein Delfin, der ihn für einen Menschen ansah, auf den Rücken und schwamm mit ihm nach dem Lande zu. Als er ihn nun bis in eine sichre Anfurt, welche Pyräus hieß, gebracht hatte, fragte er den Affen, ob er Athenienser sei? Jawohl, sagte der Affe, und noch dazu aus einer sehr alten Familie. Also wirst du doch wohl den Pyräus kennen, fuhr der Delfin fort. O, ganz genau, erwiderte jener und bildete sich ein, es sei der Name eines Mannes, Pyräus ist einer von meinen vertrautesten Freunden. Über diese Unverschämtheit des abgeschmackten Affen ward der Delfin unwillig: Er fuhr ihm auf einmal unter den Beinen weg, und der vorgegebene Athenienser musste ersaufen.
Bild:
Max Beckmann
„Reise auf dem Fisch“, 1934, Öl auf Leinwand, 134,5 mal 115,5 Zentimeter, Staatsgalerie Stuttgart
| Vita | mare-Kulturredaktion |
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| Person | mare-Kulturredaktion |
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