Natur
Neue Insel in der Nordsee
Vor den Halligen im nordfriesischen Wattenmeer gibt es eine neue Insel. Laut der Nationalparkverwaltung in Tönning hat sich an der Nordspitze des Norderoogsands, rund 25 Kilometer vom Festland entfernt, binnen weniger Jahre ein geschlossener Dünenkomplex erhoben, der an seinen höchsten Stellen bis zu viereinhalb Meter aufragt. Dass Primärdünen im Wasser entstehen und später von den Sturmfluten im Winter wieder zerstört werden, sei zwar „ein normales Phänomen“, sagt Martin Stock, wissenschaftlicher Mitarbeiter und langjähriger Fotograf der Nationalparkverwaltung. Dieser Vorgang aber „ist in meinem Leben einzigartig“. Etwa 14 Hektar misst die Fläche, auf der mittlerweile 50 Pflanzenarten wachsen, vor fünf Jahren waren es erst fünf. Dazu siedeln sich immer mehr Vögel an. Im Juni, Juli und August halten sich allein 200 brütende Möwenpaare auf dem neuen Eiland auf. „Sogar störanfällige Arten wie der Wanderfalke, sonst ein Felsbrüter, brüten hier auf dem Boden“, so Stock. Menschen dürfen Norderoogsand nur für wissenschaftliche Zwecke betreten, andere Besucher sind in Ausnahmefällen einzig auf dem Südende zugelassen. Der Insel droht allerdings eine andere, viel größere Gefahr: das Meer. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt Stock. „Das Wattenmeer zeichnet sich durch Wechselhaftigkeit aus.“ Ob die Dünen von Norderoogsand bleiben oder doch wieder dem Wasser zum Opfer fallen wie die von Kachelotplate, wird sich zeigen. Kachelotplate ist ein Hochsand im ostfriesischen Watt, dessen Dünen bis zur Sturmflut im Herbst 2006 eine Erhebung von immerhin zweieinhalb Metern erreichten und einen ersten Grasbewuchs aufwiesen. emt
Kultur
Puppenhaus am Meer
Die Seebühne Hiddensee, Deutschlands einzige Puppenbühne direkt am Meer, wird erweitert. In Vitte entsteht nun einen Steinwurf von der Hauptbühne entfernt ein Puppentheatermuseum sowie eine Probebühne. Puppenspieler Karl Huck, der seit zwölf Jahren das Theater auf der Insel betreibt, gab dem renommierten österreichischen Architekturbüro Nalbach und Nalbach den Zuschlag für den Bau. Der Neubau besteht aus zwei Gebäudeteilen und wird als Holzständerkonstruktion errichtet. Da
wegen der Meeresnähe das Holz besonders beansprucht wird, entschieden sich die Architekten für Sibirische Lärche als Baustoff.
Sie wächst langsamer als die Europäische Lärche und zeichnet sich durch eine besonders hohe Dichte aus. Johanne Nalbach: „Es ist das härteste Holz, das
man im Außenbereich fürs Bauen verwenden kann.“ Die Verarbeitung sei sehr komplex. „Es darf zum Beispiel nur das Kernholz verwendet werden. Das Holz darf sich nicht drehen und verziehen, es muss senkrecht geschnitten werden.“ Die Holzständerkonstruktion wird vorgefertigt und auf der Insel montiert. Für die
Architekten ist diese Arbeitsweise nichts Neues. In der Vergangenheit haben sie bereits zwei ähnliche Gebäude umgesetzt. Im neuen Museum werden die Puppen der eigenen Inszenierungen zu sehen sein, aber auch traditionelle und internationale Figuren, unter anderem historische böhmische Puppen und Marionetten aus England. Das Museum, die „Homunkulus Figurensammlung Hiddensee“, soll im Juni eröffnet werden. 1997 war die Seebühne aus dem Figurentheater „Homunkulus“ in Berlin hervorgegangen und gastierte seitdem in Ländern wie Bolivien, Chile, Dänemark, England oder Frankreich. Im Frühjahr 2004 wurde sie als eigenständiger Kammertheaterbetrieb neu gegründet. Ein Förderverein unterstützt das staatlich nicht subventionierte Theater. ds
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