Kunst
Beiruts Zugang zum Meer
Sie kamen mit einem Fischerboot, um für den freien Zugang zum Meer zu kämpfen. Das libanesische Künstlerkollektiv Dictaphone Group fuhr 2012 die Uferlinie Beiruts ab, um auf die illegale Landnahme der großen Hotelketten entlang der „Corniche“, der berühmten Beiruter Strandpromenade, aufmerksam zu machen. Mit Aktionen und Transparenten kämpften sie gegen den Ausverkauf ihrer Küste. Zwei Jahre später scheint der Kampf verloren. Der öffentliche Widerstand ist erlahmt; selbst vor dem Küstenabschnitt Dalieh, dem letzten öffentlichen Zugang zum Mittelmeer in der libanesischen Hauptstadt, ist kaum mehr Protest zu vernehmen. Die Fischer, die noch im vergangenen Winter Autobahnen blockierten und ihre Boote in Brand setzten, um gegen die Räumung ihrer Hütten zugunsten eines Hotelkomplexes zu protestieren, haben die Abfindungszahlungen der Stadtverwaltung und des Investors – einem Baukonsortium, das zum Clan des 2005 ermordeten Premierministers Rafik Hariri gehört – akzeptiert. Tania El Khoury von der Dictaphone Group hat ihren Optimismus dennoch nicht verloren. Die Machenschaften der Eliten, sagt sie, müssen publik gemacht werden. „Wir haben eine Protestplattform auf Facebook initiiert. Unter dem Namen dalieh.org kann man sich unserem Kampf um freien Zugang zum Mittelmeer anschließen.“ fod
Politik
Dschihadisten auf Kreuzfahrt
Militante Islamisten nutzen offenbar immer öfter Kreuzfahrtschiffe, um in die Nähe von Kriegsgebieten in Syrien und dem Irak zu gelangen. Nach Informationen von Interpol meiden potenzielle Kämpfer wegen strenger Kontrollen Reisen per Flugzeug oder Zug. Pierre St. Hilaire, Direktor der Anti-Terror-Abteilung der internationalen Polizeiorganisation, sagte der Nachrichtenagentur AP, dass die türkische Hafenstadt Izmir sich als Reiseziel herauskristallisiere. „Weil sie wissen, dass Flughäfen strenger kontrolliert werden, nutzen sie nun Kreuzfahrtschiffe, um in die Regionen zu kommen.“ Bislang hatte Interpol auf Kreuzfahrtschiffen vor allem nach Vergewaltigern und Einbrechern gefahndet, nun ändere sich das Profil. Kreuzfahrtschiffe seien attraktiv: Wegen der Hafenstopps ermöglichten sie Islamisten, schnell und unentdeckt von Bord zu gehen. Geschätzte 15 000 Kämpfer seien Richtung Irak und Syrien unterwegs. Kreuzfahrtschiffe würden inzwischen private Sicherheitsdienste einsetzen, so der internationale Kreuzfahrtverband CLIA. Deren Mitarbeiter seien auch ehemalige Polizeibeamte, die in engem Kontakt zu den Sicherheitsbehörden ständen. Interpol plant weitere Schritte. Es organisiert zurzeit das Pilotprojekt „I-Checkit“: Airlines, Hotels und Banken sollen Reisepässe in der Interpol-Datenbank auf Diebstahl und Fälschung überprüfen lassen. Qatar Airlines ist die erste große Fluggesellschaft, die bei „I-Checkit“ mitmacht. Das Bundesinnenministerium gibt sich verschlossen, welche Rolle
Kreuzfahrtschiffe im internationalen Terrorismus spielen. Nach Informationen deutscher Nachrichtendienste liege der Schwerpunkt bislang „auf der Nutzung von Flugverbindungen oder dem Landweg“. Deutschland sei im engen Austausch mit anderen Staaten, um gesetzliche Rahmenbedingungen gegebenenfalls anzupassen. muk
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