Meeresbiologie
Rätsel um Langlebigkeit
Ein internationales Forscherteam hat erstmals das Genom des Grönlandwals entschlüsselt, um so mehr über die genetischen Voraussetzungen für ein langes Leben zu erfahren. Der Grönlandwal kann bis zu 200 Jahre alt werden – so alt wie kein anderes Säugetier. Obwohl die Tiere so groß sind und extrem viele Zellen besitzen, bleiben Grönlandwale bis ins hohe Alter gesund und erkranken kaum an Krebs. „Offenbar haben sie einen natürlichen Mechanismus in sich, um den Krebs zu unterdrücken“, erklärt Biologe João Pedro de Magalhães von der University of Liverpool. Um diesen zu finden, verglichen er und seine Kollegen den Gencode des Grönlandwals mit dem von anderen Tieren wie Minkwalen, Orcas und Großen Tümmlern. Bei einigen Genen wies nur der Grönlandwal bestimmte Veränderungen auf. Diese Gene steuern unter anderem die Zellreparatur und die Körpertemperatur. „Verschiedene Arten haben verschiedene Tricks, um besonders lang leben zu können“, erklärt de Magalhães. „Wer die Tricks des Grönlandwals kennt, hat gute Chancen, langfristig diese Erkenntnisse auf den Menschen zu übertragen und so gezielt altersbedingte Krankheiten zu bekämpfen.“ Vielleicht ließe sich eines Tages sogar ein bestimmtes Gen manipulieren, um es gezielt zu Heilzwecken einzusetzen, so de Magalhães. Als Nächstes will er das Genom des Grönlandwals mit dem des Nacktmulls vergleichen. Der wird, im Unterschied zu anderen Nagetieren, mit 20 Jahren ebenfalls besonders alt und erkrankt nur selten an Krebs. Gerade Pharmaunternehmen haben großes Interesse an den neuen Forschungsergebnissen. In westlichen Industrienationen ist der Kampf gegen altersbedingte Krankheiten wie Krebs und Herz-Kreislauf-Störungen ein lukratives Geschäft. Die Studie der Wissenschaftler wurde allerdings von keinem Pharmaunternehmen direkt finanziert. Gelder gaben private Stiftungen aus den USA wie die Life Extension Foundation und die Methuselah Foundation. muk
Schifffahrt
Traumschiff wird Universität
Die Zukunft der MS „Deutschland“ ist gesichert: Ab Herbst dieses Jahres wird das insolvente Kreuzfahrtschiff, bekannt aus der ZDF-Fernsehserie „Das Traumschiff“, als schwimmende Universität auf den Weltmeeren unterwegs sein. Bis dahin übernimmt die MS „Deutschland“ noch vier Kreuzfahrten exklusiv für ADAC-Mitglieder, organisiert vom Bremer Reiseunternehmen Plantours. Das dafür eigentlich vorgesehene Schiff „Hamburg“ muss länger in die Werft, die MS „Deutschland“ springt ein. Im Februar hatte der Insolvenzverwalter bekannt gegeben, das Schiff verkauft zu haben. Laut „Handelsblatt“ soll es sich beim Käufer um das kaum bekannte US-Unternehmen Absolute Nevada handeln. Über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart. Der kolportierte Verkaufspreis von 18,5 Millionen Euro würde indes über den Erwartungen liegen: Der Wert des Schiffes wurde bislang auf maximal 13,7 Millionen Euro taxiert.
Monatelang musste die MS „Deutschland“ im vergangenen Winter vor Gibraltar liegen, während zwischen Investoren und der Reederei Peter Deilmann, dem damaligen Besitzer, über die Konditionen des Insolvenzverfahrens gerungen wurde.
60 Millionen Euro Schulden liegen auf dem Schiff, dazu kommen Tausende Euro Betriebskosten am Tag. Die offizielle Insolvenz Anfang des Jahres sorgte für ein großes Medienecho, schließlich war die MS „Deutschland“ als „Traumschiff“ eine Fernsehlegende. Der US-Investor soll das Kreuzfahrtschiff an den US-Anbieter Semester At Sea verchartert haben – eine Anfrage an das Unternehmen blieb indes bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Dieses wirbt auf seiner Internetseite bereits mit Fotos der MS „Deutschland“. Das Schiff wird offenbar zukünftig „World Odyssey“ heißen. Semester At Sea organisiert zusammen mit der University of Virginia für Studierende mehrmonatige Vorlesungsreisen auf See. Mit bis zu 600 Studenten an Bord soll die künftige „World Odyssey“ auf große Fahrt gehen. muk
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