Neuigkeiten aus der Welt der Meere

Von A wie Architektur bis Z wie Zoologie

Fischerei

Auf die Größe kommt es an

Die industrielle Fischerei hat nicht nur die Bestände vieler Fischarten dramatisch dezimiert, sondern auch gefährliche Spuren in deren Genpool hinterlassen, warnen Fischereibiologen. In den Tiefkühlbäuchen der Trawler landen nämlich bevorzugt kapitale Exemplare, die kleinen Fische dagegen schlüpfen durch die Maschen der Netze. „Diese massive Auslese begünstigt langsam wachsende Tiere, die sich schon als Halbwüchsige fortpflanzen“, erklärt der Biomathematiker Ulf Diekman während des diesjährigen Treffens der amerikanischen Wissenschaftsorganisation AAAS Ende Februar in Washington. Aus den kleineren Eiern der frühreifen Mickerlinge schlüpften schwächliche Larven mit deutlich schlechteren Chancen, je die Geschlechtsreife zu erreichen. Die Forscher vermuten in dieser menschengemachten Evolution zum Schlechteren eine Ursache dafür, dass sich eingebrochene Fischbestände wie die des Kabeljaus vor Neufundland trotz jahrelanger strenger Fangverbote kaum erholen. Als Gegenmaßnahme fordern sie, künftig auch besonders stattliche Elterntiere zu schonen und marine Schutzzonen anzulegen. Allzu optimistisch ist Diekman jedoch nicht: „Was wir Wissenschaftler fordern, wird von der Politik seit vielen Jahren erfolgreich ignoriert.“ rue


Kunst

Verwesender Hai

Zwölf Millionen Dollar für eine Leiche klingt nach viel Geld, zwölf Millionen Dollar für eine sich zersetzende Leiche klingt nach einem Flop. Die Londoner Saatchi Gallery bestätigte das lange kursierende Gerücht, dass Damian Hirsts konservierter Hai in die USA verkauft wurde. Das Kunstwerk (mare No. 14) des Helden der „Young British Artists“ leidet jedoch mittlerweile unter einem drängenden Problem: Das Formaldehyd dringt nur ein paar Zentimeter ins Zellgewebe ein, in den Tiefen des seit 1991 konservierten Haikörpers lösen sich die Organe daher teilweise auf. Hirst war den Empfehlungen der Fachleute damals nicht gefolgt. Diese hatten ihm geraten, das Formaldehyd auch in das Innere des Haikörpers zu spritzen. Der angebliche neue Besitzer, der Milliardär Steve Cohen, dürfte sich also mit ganz profanen Problemen herumschlagen müssen: Wie säubert er den Tank von der Flüssigkeit, die aus dem Kadaver quillt? Vielleicht stellt er sich aber einfach vor das Kunstwerk und sinniert über dessen Titel „The physical impossibility of death in the mind of someone living“. zdb


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mare No. 50

No. 50Juni / Juli 2005

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