Bildung
Abitur mit Meer
Wäre es sinnvoll, auch im Wattenmeer ein Gezeitenkraftwerk zu errichten? So wie im Bristol Channel vor der Küste Cornwalls? Nein, lautet das Fazit der vier Bremerhavener Gymnasiasten, die vor Ort recherchiert und gerechnet haben. Die Strömungsgeschwindigkeiten sind zu gering. Die Nachwuchsforscher gehören zu den ersten 20 Highsea-Abiturienten, die kürzlich von Bremens Wissenschaftssenator Willi Lemke ihre Urkunden erhielten. Highsea heißt das vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und den örtlichen Schulbehörden entwickelte Schulprojekt, das in der Gestaltung des naturwissenschaftlichen Unterrichts neue Wege geht. Ohne Pausengong, zum Beispiel. „Ein Stundenplan im 45-Minuten-Takt ist extrem lernhinderlich“, meint Susanne Gatti, Meeresbiologin und Projektleiterin am AWI. Stattdessen ist „Teamteaching“ angesagt: fächerübergreifender Unterricht durch Biologie-, Mathematik-, Chemie-, Physik- und Englischlehrer und wissenschaftliche Mitarbeiter des AWI. Zwei Mal in der Woche findet der Unterricht im Institut statt – oder wird gleich in die Natur verlegt. Während die ersten Highsea-Abiturienten vor dem Studium stehen, sind ihre Nachfolger gerade von einer zweiwöchigen Forschungsreise in die arktische Barentssee zurückgekehrt. Ihr Auftrag: Daten zur Tiefenwasserbildung sammeln. Bei so viel spannendem Lehrstoff ist der Andrang groß. Der jüngste – vierte – Highsea-Jahrgang startet im Februar. Bei der Auswahl der Schüler werden aber nicht nur „Klassenbeste und Überflieger“ berücksichtigt, betont Projektleiterin Gatti, „echtes Interesse und Engagement sind wichtiger als Zeugnisse“. map
Tierschutz
Suppe ohne Flosse
Kurz vor der Eröffnung seines neuen Themenparks am 12. September in Hongkong hat sich der Unterhaltungskonzern Disney dem Druck internationaler Umweltgruppen gebeugt und Haifischflossensuppe von den Speisekarten seiner Parkrestaurants gestrichen. Voraus ging ein monatelanger Streit zwischen dem Unternehmen und Tierschützern vor Ort. Diese hatten mit einem globalen Boykott aller Disney-Produkte gedroht, sollte das Unternehmen darauf bestehen, die in der Region als Delikatesse geltende Spezialität anzubieten. Disney hatte argumentiert, das Gericht sei unverzichtbarer Bestandteil jedes gehobenen Menüs bei Hochzeiten und anderen Festlichkeiten. Umfragen in Hongkong bestätigen, dass vier von zehn Befragten regelmäßig Haifischflossensuppe verzehren, zwei von drei finden es gerechtfertigt, dafür Tiere zu töten. Dem lukrativen Markt fallen jedes Jahr etwa zehn Millionen Haie zum Opfer, viele Arten sind vom Aussterben bedroht. Umweltgruppen wie WWF und Greenpeace fordern seit langem ein Verbot des brutalen „Shark-Finning“. Bei lebendigem Leib werden den Fischen die Flossen abgeschnitten; anschließend werden die Tiere wieder ins Meer geworfen, wo sie qualvoll verenden. Als „zynisch“ bezeichnete der Sprecher der Umweltschützer in Hongkong, Brian Darvell, die zunächst angebotene Kompromisslösung des Unternehmens. Danach sollten nur Tiere aus „einwandfreien, kontrollierten Fängen“ verarbeitet werden. Jetzt gab die Konzernspitze nach und erklärte sich sogar zur Aufklärungsarbeit bereit. „Wir werden unseren Gästen bewusst Alternativen anbieten und sie durch Faltblätter über die ökologischen Hintergründe informieren“, kündigte Disney-Sprecherin Irene Chan an. map
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