Ozeanografie
Mess-Diener auf hoher See
Meeres- und Klimaforscher haben ein neues Werkzeug zur Hand: eine Armada von Messbojen, die über die Ozeane dümpeln. Kürzlich setzten Wissenschaftler den 1250. dieser „Global Drifter“ genannten High-Tech-Schwimmer vor Kanada ins Wasser. Etwa zehn Jahre, nachdem die erste Boje auf Reisen ging, wurde damit ein weltumspannendes Netzwerk vervollständigt. Die rot-weißen, medizinballgroßen Geräte messen Meerestemperaturen und Salzgehalte dort, wo kaum Schiffe kreuzen. Weitere Schwimmer sollen in den kommenden Jahren auf große Fahrt gehen. Sie sind Teil des so genannten Global Drifter Program (GDP), das maßgeblich von der Scripps Institution of Oceanography an der University of California in San Diego koordiniert wird. Per Funk senden die mobilen, etwa 1600 Euro teuren Messgeräte Daten an Satelliten und von dort weiter zu verschiedenen Sammelzentren in den USA, England, Frankreich oder auch zum Deutschen Wetterdienst nach Offenbach. Das GDP ist der erste vollständig installierte Teil des Global Ocean Observing System (GOOS), zu dem auch Messsatelliten und Wetterstationen auf Leuchttürmen gehören. In Deutschland ist unter anderem das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg an dem Projekt beteiligt. Gemeinsam mit anderen Instituten kümmert es sich um die so genannten Argo-Floats. Anders als die Drifter können diese Apparate sogar tauchen und bis in 1500 Meter Wassertiefe Temperatur oder Salzgehalt messen. Auch sie funken ihre Daten zum Satelliten und kommen dazu regelmäßig an die Wasseroberfläche. Eine winzige Schwimmblase aus Kunststoff regelt ähnlich wie bei einem Fisch den Auftrieb. Dank Driftern, Argo-Floats und Satelliten ist mittlerweile ein globaler Datenpool entstanden, mit dem sich Klimamodelle füttern lassen. Einen Teil der Informationen nutzt jedes Land allerdings selbst – zum Beispiel für den aktuellen Wetterbericht. ts
Biologie
Walverwandtschaften
Rund fünf bis sechs Millionen Jahre ist es her, dass drei der vier Arten von Glattwalen aus einer einzigen Spezies entstanden. Dies ist das Ergebnis von DNA-Vergleichen, die Biologen der Universität Utah an Hautparasiten der Meeressäuger durchführten. Bis zu 7500 der mit milchig weißen Kalkplatten geschützten Seepocken sitzen zeitlebens auf einem einzigen Glattwal. Da diese Parasiten ausschließlich auf Glattwalen leben, spiegelt ihre Evolution auch die ihrer Wirte wider. Zum Zeitpunkt der errechneten Artenaufspaltung wurden die beiden bis dahin separaten amerikanischen Kontinente durch die mittelamerikanische Landbrücke miteinander verbunden und zugleich Atlantik und Pazifik voneinander getrennt. Die Wale auf beiden Seiten Nordamerikas konnten dadurch nicht mehr zueinander gelangen und entwickelten sich zu zwei unterschiedlichen Arten, dem Atlantischen Nordkaper und dem Pazifischen Nordkaper. Diese wiederum konnten mit ihren speckbeladenen Körpern nicht mehr den neu entstandenen tropischen Warmwassergürtel passieren und zu ihren Artgenossen unterhalb des Äquators schwimmen, aus denen dann der Südkaper hervorging. Alle drei Arten wurden stark bejagt. Doch während im Nordatlantik nur noch etwa 350 Tiere und im Nordpazifik rund 200 Exemplare leben, wuchs die Population des Südkapers jährlich auf mittlerweile rund 8000 bis 10 000 Tiere wieder an. Die genetische Vielfalt der nördlichen Arten ist jedoch, wie die Untersuchungen jetzt ergaben, ebenso groß wie die der Südart, und so haben auch die beiden bedrohten Spezies gute Voraussetzungen für eine Erholung ihrer Bestände. broe
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