Neuigkeiten aus der Welt der Meere

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Kultur

Kunst an der Küste

Die belgische Nordseeküste wirbt in diesem Sommer mit Kultur. Sie ist Schauplatz des Kunstfestivals „2006 Beaufort“, das vor drei Jahren von Willy van den Bussche, dem Direktor des Museums für Moderne Kunst in Oostende, initiiert wurde. Mit der Triennale will man internationale Gäste an die belgische Küste locken, die bisher überwiegend von einheimischen Touristen besucht wird. Kein Wunder, denn sie ist eher ein Kuriosum als eine Naturschönheit: Von einem kleinen Naturschutzgebiet abgesehen, wird die nur 67 Kilometer lange Küstenlinie fast lückenlos von Hochhäusern gesäumt (mare No. 50). Dahinter liegen jedoch Orte wie Knokke und Oostende, deren
verblasste Art-nouveau-Pracht von einer mondänen Vergangenheit erzählt. Zu der ersten Ausgabe der Triennale zog es etwa 600 000 Besucher an Belgiens Promenaden und Strände. Vor allem Anthony Gormleys 80 eiserne Männer, die vor der Küste von De Panne aufgestellt waren und im Wechsel der Gezeiten auf- und untertauchten, sorgten für Aufmerksamkeit. Dieses Jahr wird an der gleichen Stelle eine Elefantenherde des südafrikanischen Künstlers Andries Botha aus dem Meer steigen und auf die belgische Kolonialvergangenheit verweisen. Der chinesische Bildhauer Zhan Wang lässt bei Knokke eine künstliche Berglandschaft aus rostfreiem Metall im Wasser treiben, und der belgische Maler Jean Bilquin platziert eine aufgebockte Schiffs­skulptur am Strand. Mit von der Partie sind zudem Künstler wie Tom Claassen, Joep van Lieshout, Louise Bourgeois, David Cerny, Mimmo Paladino, Giuseppe Penone und Chéri Samba, deren Werke teils am Meer, teils in alten Fischerkapellen zu sehen sind. Parallel zu der Freiluftschau vom 1. April bis zum 1. Oktober zeigt das Museum für Moderne Kunst in Oostende die Ausstellung „Beaufort inside“ mit kleinformatigen Werken derselben Künstler. bok


Biologie I

Gen mit Zukunft

Das Erbgut mikroskopischer Pilze aus dem Toten Meer soll Getreide künftig widerstandsfähig gegen salzige Böden machen. Die Vision der Wissenschaftler um Eviatar Nevo von der Universität Haifa: In naher oder ferner Zukunft könnten Pflanzen in Böden gedeihen, die durch Raubbau und falsche Bewirtschaftung versalzen sind. Für ihre Experimente wählten die Forscher den Schimmelpilz Eurotium herbariorum. Der Mikroorganismus ist ausgesprochen hartleibig; immerhin übersteht er im Toten Meer Salzkonzentrationen von bis zu 340 Gramm je Liter, zehn Mal mehr als in den übrigen Ozeanen. Offenbar reichert der Pilz Glycerin an. Diese Substanz verhindert, dass das Salz Wasser aus den Zellen saugt. Den israelischen Evolutionsbiologen gelang es, das für die Glycerinproduktion zuständige Gen EhHOG zu identifizieren und in eine Mutante der Brauereihefe zu übertragen. Der Versuch glückte: Die Hefe entwickelte ebenfalls Salzresistenz. Inzwischen haben die Israelis das EhHOG-Gen auch in die Ackerschmalwand transferiert, einem in der Gentechnik weit verbreiteten Forschungspflänzchen. Noch ist die Studie im Gange, aber die ersten Ergebnisse deuten laut Nevo darauf hin, dass EhHOG auch in höheren Pflanzen Salzresistenz bewirkt. Bernd Müller-Röber, Genetiker am Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie in Golm bei Potsdam, gibt aber zu bedenken, „dass eine Erhöhung der Salztoleranz durch Übertragung des EhHOG-Gens schwierig sein könnte, da höhere Pflanzen ganz anders wachsen als Pilze im Toten Meer“. Außerdem könne man nicht ausschließen, dass durch den Gentransfer Proteine in der Pflanze so verändert werden, dass sie das Wachstum beeinträchtigen. ts


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mare No. 55

No. 55April / Mai 2006

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