Artenschutz
Task force für den Dugong
In Australien ist ein Streit um die Jagd auf Dugongs, die bis zu drei Meter langen Seekühe Dugong dugon, entbrannt. Freizeit- und Berufsfischern ist das Töten der Meeressäuger untersagt. Nur die Aborigines dürfen die halbtonnenschweren Tiere noch erlegen, denn für einige Stämme an der nordaustralischen Küste hat die Seekuhjagd bis heute starke symbolische Bedeutung und gehört oftmals zum Initiationsritus. Zudem liefern die Tiere hochwertiges Fleisch. Dennoch fordern die Fischer ein absolutes Jagdverbot, denn Dugongs sind durch die Meeresverschmutzung und die Zerstörung ihrer Nahrungsgründe, die großen Seegraswiesen, vom Aussterben bedroht. Viele Tiere verenden außerdem als Beifang in Trawlernetzen. Das Verbreitungsgebiet der küstenbewohnenden Dugongs erstreckt sich von Ostafrika bis nach Australien. Doch nur an der australischen Küste gibt es noch große Populationen, insgesamt etwa 80 000 Tiere. Auch Zählflüge von Forschern der australischen James Cook University deuten darauf hin, dass die Jagd die Bestände gefährden könnte. Deswegen haben sich die Wissenschaftler vor drei Jahren mit Naturschutzbehörden und Vertretern der Aborigines zu einer „Task force“ zusammengeschlossen, die die Dugong-Bestände präzise erfassen und die Jagd angemessen regeln will. Organisiert wird das Projekt durch die halbstaatliche Umweltorganisation North Australian Indigenous Land & Sea Management Alliance (Nailsma). „Leider wird die Debatte hier sehr emotional geführt und gern der Vergleich mit Walen herangezogen“, sagt Nailsma-Projektleiter Joe Morrison, selbst ein Aborigine. „Die Ureinwohner wollen ihr traditionelles Jagdwild natürlich nicht vernichten.“ Auch auf der japanischen Insel Okinawa streitet man für den Schutz der Dugongs. Die kleine Population von etwa 50 Tieren ist akut durch den Ausbau eines US-Militärflugplatzes bedroht. In Japan betrachtet man Dugongs seit Langem als schützenswerte Tiere. So wird die Art seit 1955 auf der japanischen Liste der „Naturdenkmäler“ geführt. Vorerst hat ein US-amerikanisches Bundesgericht die Ausbaupläne gestoppt, bis ausführliche Umweltgutachten vorliegen. In allen anderen Heimatländern des Dugongs steht der Artenschutz hingegen nicht auf der Tagesordnung. ts
Wirtschaft
Nordkoreas Exportschlager
Das Regime in Pjöngjang setzt bei der Jagd auf Devisen auf ein gewinnbringendes Produkt: Seeigelrogen. Dabei lässt es sich das Geschäft auch nicht durch Embargos verderben. Zwar ist seit Oktober 2006 in Japan die Einfuhr jeglicher nordkoreanischer Produkte und Lebensmittel untersagt. Mit diesem Importverbot reagierte Tokio seinerzeit auf die Atomwaffentests des Nachbarlands, das bereits eine Mittelstreckenrakete entwickelt hatte, die japanisches Gebiet erreichen kann. Doch jüngst wurde ein neuer Fall von illegalem Rogenimport aufgedeckt: Polizei und Zoll nahmen in der japanischen Küstenstadt Narashino drei Kaufleute fest. Sie stehen unter Verdacht, fast eine Tonne Seeigelrogen aus Nordkorea illegal nach Japan eingeführt zu haben. Dabei sollen die Tiere zunächst nach Südchina gebracht worden sein, wo die Eier entnommen, gesalzen und als „Made in China“ umdeklariert wurden. Seeigelrogen, der meist roh als uni sushi verzehrt wird, ist wie echter Kaviar eine Delikatesse und besonders bei japanischen Männern beliebt, denn er gilt als Aphrodisiakum. Der Preis beträgt zwischen 15 und 200 US-Dollar pro Kilogramm, je nach Farbe und Konsistenz. Da die eigenen Gewässer in der Vergangenheit überfischt wurden, sind die Japaner auf Seeigelimporte angewiesen. Nordkorea, das vor dem Embargo vorwiegend Rohstoffe, aber auch billige Textilien nach Japan ausführte, konnte sich zuletzt als fünftwichtigster Lieferant von Seeigeln, aber auch von Krebsen und Venusmuscheln etablieren, hinter den USA, Russland, Süd-korea und China. Da Sushi-Restau- rants bis heute nicht verpflichtet sind, die exakte Herkunft ihrer Produkte anzugeben, war es auch zu Zeiten des erlaubten Handels üblich, die Herkunft nordkoreanischen Seeigelrogens zu verschleiern, denn sein Verzehr galt als unpatriotischer Akt: Angehörige von teilweise seit Jahrzehnten in Nordkorea festgehaltenen Japanern haben immer wieder zum Boykott nordkoreanischer Produkte aufgerufen – egal, ob es um preiswerte T-Shirts ging oder exquisiten Seeigelrogen. fk
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