Neuigkeiten aus der Welt der Meere

Von A wie Architektur bis Z wie Zoologie

Raumfahrt

Orbitaler Schauinsmeer

Wird der nächste Sommer heiß oder kühl? Welche Ausmaße wird der Klimawandel haben? Antworten auf solche Fragen erhoffen sich Wissenschaftler vom Wettersatelliten „Jason-2“, der sich seit Juni im All befindet. Nun meldet Eumetsat, die Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten, einen ersten Erfolg. Anhand von Daten des Wettersatelliten ist es Forschern gelungen, eine komplette Karte der Meeresoberfläche zu erstellen. Der Satellit beobachtet von einer Position in 1336 Kilometer Höhe die Ozeane und umkreist die Erde in 120 Minuten. Auf seiner Reise sammelt der Himmelskörper Daten zur mittleren Meereshöhe, zum Seegang sowie zu Windgeschwindigkeiten an der Meeresoberfläche. „Das wird uns helfen, Vorhersagen zu Hurrikankatastrophen deutlich zu verbessern“, sagte Eumetsat-Projektmanager François Parisot. Der Satellit erkenne innerhalb kürzester Zeit, wenn sich irgendwo der Meerespegel aufgrund von Wärme auch nur um wenige Zentimeter verändert. Aus solchen warmen Wassermassen können sich gefährliche Hurrikane entwickeln. Laut Angaben von Parisot sendet „Jason-2“ vor allem in Küstennähe genauere Daten an die Bodenstationen als sein Vorgänger „Jason-1“, der seit Dezember 2001 im Orbit kreist. Grund dafür sei das verbesserte Stand-by-System. Fliegt „Jason-2“ über Land, schaltet er in einen Ruhemodus. Erreicht er die Küste, fährt das System schnell wieder hoch. Bei den Vorläufern dauerte das mehrere Sekunden. Die Geräte verpassten dadurch wichtige Küstengebiete. „Jason-2“ dagegen schaltet sich ohne Verzögerung an und liefert somit Daten, die bisher fehlten. Von den verbesserten Vorhersagen könnten künftig die Landwirtschaft, die Fischerei oder der Tourismus profitieren, so Parisot. „Jason-2“ soll zudem Hinweise auf eine Klimaveränderung liefern. „Die Entwicklung muss genau beobachtet werden, damit die Politik rechtzeitig gegensteuern kann“, mahnt Parisot. Der Pegel der Weltmeere ist allein in den vergangenen 15 Jahren im Schnitt um drei Millimeter im Jahr gestiegen. Wie stark der Anstieg in Zukunft ausfallen wird, soll „Jason-2“ berechnen. „Der Satellit sichert die dringend erforderliche Datenkontinuität, die unabdingbar ist für die Messungen zur Entwicklung des Meeresspiegels, eines der Hauptindikatoren des Klimawandels“, hatte Lars Prahm, Generaldirektor von Eumetsat, schon kurz nach dem Start gesagt. An der Mission ist neben Eumetsat, der französischen Raumfahrtagentur CNES und Nasa auch die US-Wetterbehörde NOAA beteiligt. Die Daten des Satelliten werden nahezu in Echtzeit an die Wetterdienste in Europa weitergegeben. Eumetsat ist eine zwischenstaatliche Organisation mit Sitz in Darmstadt mit derzeit 21 europäischen Mitgliedsstaaten und neun weiteren Kooperationsstaaten. ts

Paläontologie

Vom Fisch zum Vierbeiner

Gefunden hat man die Knochen schon vor Jahren, doch erst jetzt ist es gelungen, sie zusammenzusetzen. Evolutionsforscher aus Schweden und Lettland haben den Kopf des primitivsten vierbeinigen Lebewesens der Erdgeschichte rekonstruiert. Die Überreste des Tiers mit dem zoologischen Namen Ventastega curonica sind 365 Millionen Jahre alt. Das Tier war einen Meter lang und hatte bereits Stummelfüße, mit denen es im seichten, brackigen Wasser Sandbänke hinaufklettern konnte. „Ventastega muss aus der Ferne wie ein Alligator mit Fischschwanz ausgesehen haben“, sagt Per Ahlberg, Evolutionsbiologe an der Universität Uppsala in Schweden und federführender Autor einer kürzlich in der Fachzeitschrift „Nature“ erschienenen Studie. Neben Schädelknochen fand das Forscherteam auch Teile von Schulter und Hüfte. Ventastega endete vermutlich in einer evolutionären Sackgasse. Trotzdem erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über den Übergang von Fischen zu Tetrapoden – Tieren mit vier Gliedmaßen. Die in Lettland gefundenen Skelettteile ließen sich zu einem Schädel mit mehreren Atemlöchern zusammensetzen; der Kiefer war bereits ähnlich wie bei späteren Landwirbeltieren mit Zähnen besetzt. Der Vierbeiner hatte sowohl Zehen als auch eine Schwanzflosse. Die Schnauzenform lässt auf eine höher entwickelte Art schließen, außerdem hatte Ventastega große Augen, was für Landbewohner typisch ist. Andere Schädelmerkmale teilt das Tier wiederum mit dem fossilen Fisch. Ahlberg und seine Kollegen schreiben, dass Ventastega eine Lücke zwischen den am weitesten entwickelten Fischen und den einfachsten bekannten Vierbeinern schließt. Die Funde liefern wichtige Details, wie die komplizierte Transformation von Fischen zu Landlebewesen abgelaufen sein muss. Die Forscher schließen jedoch aus, dass Ventastega ein Vorfahr der 100 Millionen Jahre später lebenden Dinosaurier war. Ventastega wurde 1994 erstmals als eigene Art beschrieben. In den vergangenen Jahren brachten die Ausgrabungen nahe der lettischen Stadt Pavari weitere Knochenteile zutage. Doch erst ein jüngster Fund ließ die Rekonstruktion des Schädels zu. ca


Dies ist ein Auszug aus dem Text. Den ganzen Beitrag lesen Sie in mare No. 70. Abonnentinnen und Abonnenten lesen ihn auch hier im mare Archiv.

mare No. 70

No. 70Oktober / November 2008

Aus der Redaktion

Aus der Redaktion

Mehr Informationen
Vita Aus der Redaktion
Person Aus der Redaktion
Vita Aus der Redaktion
Person Aus der Redaktion
Suchmaschine unterstützt von ElasticSuite