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Leben

Die große Meerjungfrau

Jahrelang wünschte sich eine doppelseitig beinamputierte Neuseeländerin, wie eine Meerjungfrau schwimmen zu können. Jetzt hat eine bekannte Special-effects-Firma ihr diesen Traum erfüllt. Die Trickmacher und Bastler fertigten der Mittfünfzigerin eine Prothese zum Schwimmen in Form eines Fischschwanzes an. „Wir mussten einfach zusagen, weil die Anfrage so einzigartig war“, sagt Designer Philip Sharpe, der an der Flosse mitgearbeitet hat. Nadya Vessey war 16, als sie nach jahrelanger schwerer Krankheit beide Beine verlor. Eines Tages traf sie am Strand einen kleinen Jungen, der sie fragte, was denn mit ihr sei. Sie antwortete: „Ich bin eine Meerjungfrau.“ Verzückt über seine Entdeckung, rannte der Junge weg, aber die Idee blieb. Vor zwei Jahren fasste Vessey dann allen Mut zusammen und schrieb an die neuseeländische Filmwerkstatt Weta Workshop in Wellington, die normalerweise Filme wie „Der Herr der Ringe“ oder „King Kong“ ausstattet. Mehrere Male gewannen die Tüftler bereits Oscars für Spezialeffekte, Kostüme oder Make-up. Zu Vesseys großer Überraschung sagten die Filmleute zu. Vier Mitarbeiter machten sich an die Arbeit, die immer wieder unterbrochen wurde von diversen Filmprojekten. Mehrmals reiste Vessey zur Anprobe. Einen Fischschwanz zu modellieren, der nicht nur gut aussieht, sondern auch funktionstüchtig ist, sei eine große Herausforderung gewesen, sagt Designer Sharpe. Das Ergebnis nach viermonatiger Bastelei jedenfalls erstaunte nicht nur die Fachwelt. Der Flossenanzug aus Polycarbonat und Neopren mit von Hand aufgemalten Schuppen ist so konstruiert, dass Vessey sich wie ein Delfin durchs Wasser bewegen kann. Erst kürzlich machte sie einen Testlauf in einem Schwimmbecken. Sie sei zwar noch in der Lernphase, sagt sie. Aber ihr Körper nehme die neue Prothese bereits so an, als sei sie ein Teil ihrer selbst. fg

Wirtschaft

Meeresfische aus der Schweiz

Die Schweiz ist für viele Leckereien bekannt, fangfrischer Meeresfisch gehörte bislang nicht dazu. Das wird sich möglicherweise ändern. Die Firma OceanSwiss plant den Bau einer Aquafarm, in der täglich bis zu fünf Tonnen Wolfsbarsche und Doraden produziert werden könnten. Laut OceanSwiss-Inhaber Dirk van Vliet sollen die Fische in großen Becken gehalten und tiergerecht getötet werden. „Unser Projekt ist weit vorangeschritten“, sagt van Vliet. „Es fehlt nur noch ein Grundstück, auf dem der Spatenstich erfolgen kann.“ Die Farm sollte ursprünglich in Mollis im Kanton Glarus entstehen, auf einem 36 000 Quadratmeter großen Industrieareal. Doch eine außerordentliche Gemeindeversammlung lehnte Ende April den Antrag von OceanSwiss ab. Nun suche man fieberhaft nach einem neuen Gelände für die Fabrik irgendwo in der Schweiz, heißt es. Das Projekt, in das OceanSwiss zwischen 20 und 40 Millionen Franken investieren will, ist umstritten. „Die Massentierhaltung ist kaum mit der Tierschutzverordnung vereinbar“, sagt Felix Hahn von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Gegner befürchten zudem, die Fischfabrik könnte üble Gerüche verbreiten. Im saarländischen Völklingen entsteht fast zeitgleich eine Biomeeresfischzucht auf einem ehemaligen Zechengelände, ebenfalls weitab der Küste. lst

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mare No. 75

No. 75August / September 2009

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