Medizin
Schwimmende Klinik
Im weitverzweigten Irrawaddy-Delta von Myanmar hat eine schwimmende Klinik ihren Betrieb aufgenommen. Seit Dezember fährt dort ein umgebauter Reisfrachter mit zwei Ärzten und zwei Krankenschwestern an Bord abgelegene Dörfer an, in denen es weder Ärzte noch Krankenhäuser gibt. „Ärztliche Hilfe ist vor allem in einem Fall nötig: bei der Geburt. Kommt es zu Komplikationen, dauert die Fahrt ins nächste Krankenhaus bis zu zehn Stunden. Doch dann sind Frau oder Kind oft tot“, erklärt Jürgen Gessner von der Organisation „Stiftunglife“, die das „Swimming Doctors Myanmar“-Projekt finanziert. An Bord befinden sich ein Ultraschallgerät, ein EKG-Gerät, ein kleiner OP-Saal sowie ein Labor zur Untersuchung von Blut- und Urinproben. „Notfalls können wir auch im Boot einen Kaiserschnitt machen“, sagt Gessner. Die Patienten zahlen inklusive Medikamente zwei Euro für die Behandlung, mittellose Menschen werden kostenlos versorgt. Das Schiff fährt nach festem Fahrplan durchs Delta, damit die Bewohner genau wissen, wann der Doktor zu ihnen kommt. Jeden Tag legt es in einem anderen Dorf an. „150 Patienten sind bereits am ersten Tag gekommen, wir brauchen eigentlich noch zwei weitere Ärzte“, sagt François Kenedi, der das Projekt vor Ort betreut. „Die Bewohner bedankten sich bei uns mit Fischen und Krabben.“ In Myanmar herrscht seit Jahrzehnten eine korrupte Militärregierung, die das Land heruntergewirtschaftet hat. Die einstige „Kornkammer Südostasiens“ gilt heute als eines der ärmeren Länder der Welt. Weniger als drei Prozent der Einwohner sind krankenversichert. mz
Meeresarchäologie
Champagner aus Schiffswrack
Die rund 180 Jahre alten gefüllten Champagnerflaschen aus einem Schiffswrack vor den Ålandinseln sollen demnächst versteigert werden. „Wir haben viele Interessenten, die immer wieder fragen, wann wir die 168 Flaschen verkaufen. Das werden wir bis auf wenige Exemplare tun, denn Champagner sollte getrunken werden und nicht in einem Museum verstauben“, sagt Björn Häggblom von der Regionalregierung der Insel. Åland ist eine autonome finnische Provinz in der Ostsee, die ihre inneren Angelegenheiten weitgehend selbst regelt. Ein Termin für die Auktion stehe noch nicht fest, so Häggblom, der mit Preisen von bis zu 50 000 Euro je Flasche rechnet. Taucher hatten die dunkelgrünen, etikettlosen Flaschen im Juli 2010 südlich der Inselgruppe entdeckt. Untersuchungen ergaben, dass es sich um Champagner der Marken Juglar und Veuve Clicquot handelt, die laut Inselbehörde mindestens 180 Jahre alt sein müssen. Denn 1830 stellte das Champagnerhaus Juglar seine Produktion ein. „Damit lagert bei uns der älteste Champagner der Welt“, sagt Häggblom. „Und er schmeckt immer noch hervorragend.“ Bei einer Verkostung im November 2010 probierte Pirjo Peltoniemi, Reporterin des finnischen Senders YLE, die Cuvée. „Sie hat ein kräftiges Aroma und schmeckt überraschend süß, ein wenig wie Schokolade, Weintrauben und Toffee.“ Im kommenden Sommer soll das Wrack weiter untersucht werden. „Vermutlich kam das Schiff aus Deutschland und belieferte den russischen Zarenhof in Sankt Petersburg“, sagt Häggblom. „Neben Champagner waren auch Weintrauben geladen – beides absolute Luxusprodukte.“ Historiker glauben, dass der Zweimaster mit der kostbaren Fracht zwischen 1825 und 1850 gesunken ist. mz
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