Coram iudice et in alto mare
in manu dei solius sumus.
Den Seesack bestücken fürn Ritt in die dänische Südsee.
Nimm nichts, reise leicht!, das Tabori’sche Motto.
Und wars nicht früh dein eskapistischer Plan –
noch grün hintern Ohrn – einen Hafen zu suchen,
hinauszugehn auf Meeren dieser Welt,
vergessen zu werden von zurückbleibend Zurückgebliebenen,
in wogenden Wellentälern zu verschwinden,
nicht mehr ausgemacht werden zu können
von irgendeiner erhöhten Küstenregion,
einer staksigen Steilküste,
wo bittre Tränen vergossen werden von denen,
angewiesen auf die schöne Zuwendung derer,
die sie so überaus glücklich verließen. Aye!
Also, bitte: Nennt mich Ismael!
In die Hände gespuckt und rauf mit den Plünnen!
Klau halten, Piek schneller. Und belegen!
Großes Palaver aufm Nonnendeck in Sachen Gerechtigkeit.
Und in der Kombüse braut der Smut über Stunden hinweg
die beste Tomatensoße, die du je aßt.
Der auch den Anleger ansetzte, schwarzen Lakritzschnaps,
wird nach geglücktem Anlegemanöver
in abendmahlsmäßiger Manier verteilt.
Kommt dir das Wasserglas voll Rum ins Hirn,
den du auf der englischen Fregatte kipptest
auf die Hochzeit von Prinz Andrew
und seiner sommersprossengesprenkelten Sarah,
immer noch voll im Vorabendrausch.
Rezepte verriet er nicht, der Quäker.
Aber der Gerechtigkeit fiel ein Kuckucksei ins Krähennest:
Wir mussten die Havarie, das Dümpeln schlucken.
Die heiß gelaufene Welle konnten wir
mit in der Bilsch entdeckten Teilen heilen.
Der Holyman an Bord ein Spezialist
für feinst gesponnenes Seemannsgarn,
verloren gegangner Prediger.
Erzählt mit jüdischem Humor seine Stories
in Melville’scher Vielfaltigkeit.
Auch Käptn Ahab ist tiefstes Altes Testament.
Du liegst in der Koje, schläfst, wie Jona, wie Jesus.
Die See, die dich mütterlich wiegt
und immer wieder neu heraushebt aus deinem Trauma.
Schot und Fall klar?
Die Flaggen deiner Vergangenheit wehn glatt in steifer Brise,
die nun bald schon Sturm genannt werden will.
Ihre Zeichen? Kreuz, Herz und Anker,
den Tätowierungen auf deiner Herzwand gleich.
Lass dich nicht für dumm verkaufen, mein Junge!
Immer eine Hand für dich und eine Hand fürs Schiff.
Im Anker das Kreuz: Halt und Leid zugleich.
In welchem Port machst du dich fest?
Mathias Jeschke, geboren 1963, wuchs in der Lüneburger Heide an der Amerikalinie auf, jener Eisenbahnstrecke, die viele Auswanderer im 19. Jahrhundert in einen Hafen und ein neues Leben führte. Auf dieser Linie schrieb er als Fahrschüler die ersten Gedichte. Seine maritime Karriere begann mit einer Familienfahrt auf der „Wappen von Hamburg“ nach Helgoland. Heute lebt er – zwar in Lohn und Brot, jedoch in allergrößter Meerferne – in Stuttgart. So sind Küsten und Meere Schauplatz und Sehnsuchtsort zugleich in seinen Bilderbüchern und Gedichten.
| Vita | Mathias Jeschke, geboren 1963, wuchs in der Lüneburger Heide an der Amerikalinie auf, jener Eisenbahnstrecke, die viele Auswanderer im 19. Jahrhundert in einen Hafen und ein neues Leben führte. Auf dieser Linie schrieb er als Fahrschüler die ersten Gedichte. Seine maritime Karriere begann mit einer Familienfahrt auf der „Wappen von Hamburg“ nach Helgoland. Heute lebt er – zwar in Lohn und Brot, jedoch in allergrößter Meerferne – in Stuttgart. So sind Küsten und Meere Schauplatz und Sehnsuchtsort zugleich in seinen Bilderbüchern und Gedichten. |
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| Person | Von Mathias Jeschke |
| Vita | Mathias Jeschke, geboren 1963, wuchs in der Lüneburger Heide an der Amerikalinie auf, jener Eisenbahnstrecke, die viele Auswanderer im 19. Jahrhundert in einen Hafen und ein neues Leben führte. Auf dieser Linie schrieb er als Fahrschüler die ersten Gedichte. Seine maritime Karriere begann mit einer Familienfahrt auf der „Wappen von Hamburg“ nach Helgoland. Heute lebt er – zwar in Lohn und Brot, jedoch in allergrößter Meerferne – in Stuttgart. So sind Küsten und Meere Schauplatz und Sehnsuchtsort zugleich in seinen Bilderbüchern und Gedichten. |
| Person | Von Mathias Jeschke |