Welche ist die berühmteste Möwe? Im deutschsprachigen Raum vielleicht eine, die Emma heißt. Weltweit wahrscheinlich eher eine Schwester aus Russland. In Anton Tschechows (1860–1904) Stück aus dem Jahr 1895 erschießt ein gelangweilter Intellektueller eine Möwe, der weiblichen Hauptfigur wird sie zum Symbol ihres eigenen Scheiterns. In jedem Theaterfundus ist ein solch ausgestopftes Tier vorhanden. Der Fotograf Philipp Wente hat sich in die Requisitenkeller begeben, seine liebste Möwe fand er im Schauspielhaus Bochum. Selbstverständlich hat der weiße Vogel auch in die Lyrik Eingang gefunden: Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898), Heinrich Heine (1797–1856) und auch Christian Morgenstern (1871–1914) haben sich ihrer angenommen. Dem einen signalisiert sie Unglück, den anderen zwingt sie zur Selbstreflexion, dem Dritten ist sie unverhohlen sympathisch – und heißt Emma. Zdb
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