Meeresgrund

Fundstücke aus Kunst und Literatur

Der Meeresgrund ist ein unergründliches Feld, das seit Menschengedenken zu Fantastereien geführt hat, die mit dem eigenen wie dem kollektiven Unbewussten zu tun haben können. In Selma Lagerlöfs (1858–1940) „Wunderbarer Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ geht es noch verträumt zu. Der Däumling entdeckt ein geheimnisvolles Tor im Sand und betritt eine zauberhafte Stadt im Meer. Die Künstlerin Jessie Kleemann (geboren 1959) bezieht sich in „Meeresmutter“ auf einen martialischen Mythos ihrer grönländischen Heimat: Ein Mann wirft seine Stieftochter ins Meer, nachdem er ihr einen Finger abgehackt hat, worauf sie als Göttin in den Tiefen des Meeres regiert und Jäger belohnt oder bestraft, indem sie ihnen Tiere zuführt beziehungsweise verweigert. Auf einem nicht minder gewalttätigen Mythos fußend und dennoch ganz real sind die Votivbarken aus Blei, die bei Unterwassergrabungen in der Bucht von Abukir in Ägypten entdeckt wurden. Sie sind Modelle der Papyrusboote, die die Osirisprozessionen begleiteten. Der Legende nach wurde Osiris von seinem Bruder Seth getötet, in 14 Stücke zerschnitten, von seiner Frau Isis aber wieder zusammengefügt und zum Leben erweckt. Seither gilt Osiris als Überwinder des Todes. Die Barken sind derzeit zusammen mit 300 anderen archäologischen Unterwasserfunden in der Ausstellung „Osiris – Das versunkene Geheimnis Ägyptens“ im Zürcher Museum Rietberg zu sehen. zdb


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mare No. 121

No. 121April / Mai 2017

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