Wo enden eigentlich Kontinente?
Inge Pfaff, per E-Mail
Sobald die Füße im Wasser stehen, ist der Kontinent zu Ende? Nein – denn auch der Strand und das, was unter dem Meeresspiegel ist, gehören zu einem Kontinent. Das Wort stammt aus dem Lateinischen und steht für „zusammenhängendes Land“. Geografisch werden damit Landmassen bezeichnet, von denen es laut Definition sieben gibt: Afrika, Antarktika, Asien, Australien, Europa sowie Nord- und Südamerika. Nach geologischen Definitionen endet ein Kontinent aber nicht an der Wasserkante, sondern am sogenannten Kontinentalrand – schließlich gehören auch Inseln zu einem Kontinent. Es gibt aktive und passive Kontinentalränder. An den aktiven passiert etwas – zum Beispiel wird eine Platte unter die andere geschoben; das sind die Subduktionszonen, an denen die Erde beben kann, etwa vor Japans Küste. Passive Kontinentalränder liegen nicht direkt an den plattentektonischen Grenzen, sondern 150 bis 200 Kilometer vor der Küste und sind vor allem durch Dehnung, Grabenbildung und Ablagerung von Sedimenten gekennzeichnet. Am Beispiel Europa bedeutet das: Erst kommt der Strand, dann das von Wasser bedeckte Schelfgebiet und dann der passive Kontinentalrand, an dem die untermeerische Küste meist mit einem Steilhang in den Ozean abfällt.
Was gab es zuerst: tropische Korallen im Flachwasser oder Kaltwasserkorallen in der Tiefsee?
Frage einer Schülerin beim bundesweiten „Vorlesetag“
Sowohl die Steinkorallen der Tropen als auch die der Tiefsee sind fantastische Ingenieure, die große Korallenriffe aufbauen, die Heimat für viele andere Arten. Doch während die tropischen Korallen in lichtdurchfluteten Gewässern in Symbiose mit Algen leben, kommen die Kaltwasserkorallen in der Dunkelheit der Tiefsee allein zurecht. Doch wer war zuerst da? „Über die heutigen Steinkorallen, die Scleractinia, wissen wir, dass sie etwa 237 Millionen Jahre vor heute erstmals in der Erdgeschichte auftauchen“, sagt Leonardo Tamborrino, der an der Bremer Graduiertenschule Glomar über Kaltwasserkorallen promoviert. „Etwa 27 Millionen Jahre später kommt dann erst die Fotosymbiose hinzu. Das heißt, Steinkorallen leben mit Symbionten zusammen, die Fotosynthese betreiben können und ihre Wirte so mit Zuckern und anderen Verbindungen versorgen können.“ Doch schon lange vor den ersten heutigen Steinkorallen gab es andere riffbildende Korallen in den Ozeanen. Die ersten Rugosa lebten 488 Millionen Jahre vor heute, die ersten Tabulata vor über 520 Millionen Jahren. Beide sind vor 251 Millionen Jahren ausgestorben – beim größten Massenaussterbeereignis der Erdgeschichte.
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Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.
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