Stimmt es, dass man ein Ei unter Wasser schneller kochen könnte?
Iris, 14, per E-Mail
Die Lage einer Kochstelle hat Einfluss auf die Kochzeit. So braucht man für ein hart gekochtes Ei in einer Gebirgshütte länger als am Strand. Grund dafür sind die unterschiedlichen Druckverhältnisse: Auf Meeresspiegelhöhe bei normalem Luftdruck (1013 Hektopascal) kocht Wasser bei 100 Grad Celsius. Bei abnehmendem Luftdruck in den Bergen sinkt auch der Siedepunkt. So fängt Wasser in einem offenen Topf auf dem Montblanc (Höhe 4807 Meter, mittlerer Atmosphärendruck 555 Hektopascal) bereits bei 84 Grad Celsius an zu sprudeln. Ist der Siedepunkt erreicht, erwärmt sich das Wasser nicht weiter – das heißt, ein Ei muss hier länger kochen, um hart zu werden. Genauso kann ein höherer Druck die Siedetemperatur auf der Skala nach oben verschieben. „Unter Wasser herrscht ein höherer Druck. Hier kann man Wasser auf über 100 Grad erhitzen, ehe es siedet“, sagt Professor Gerold Wefer von MARUM, der als Forschungstaucher im Unterwasserlabor „Helgoland“ in 15 Meter Tiefe in der Ostsee gearbeitet hat. „Daran sollte man denken, ehe man sich am Kaffee die Zunge verbrüht.“
Wie kommt es, dass der Meeresspiegel in einigen Weltregionen sinkt, obwohl er durch den Klimawandel doch steigen müsste?
Markus Schaan, per E-Mail
Wie sich der Meeresspiegel ändert, wird anhand der Landoberfläche berechnet. Allerdings bewegt sich das Land, und zwar auch vertikal, etwa wegen tektonischer Bewegungen. Beobachtet man daher den Meeresspiegel von einer Küste aus, die sich hebt, sinkt der Meeresspiegel aus dieser Perspektive und umgekehrt; das nennt sich „relativer Meeresspiegel“. Ein weiterer Grund hängt direkt mit dem Klimawandel zusammen. Durch das Schmelzen des Westantarktis-Inlandeises würde das Meer im Durchschnitt global um einen Meter steigen. „Wäre die Welt eine Badewanne, stiege das Wasser überall gleich hoch. Dass das nicht passiert, hat zwei Ursachen“, erläutert Alessio Rovere von MARUM. 1. Wenn Gletscher an Masse verlieren, reduziert das den Druck auf den Erdmantel und Mantelgestein kann dorthin fließen. Dadurch hebt sich das Land unter den Gletschern, der Meeresspiegel sinkt relativ zum Land. Das Gegenteil passiert weiter weg von den Eismassen: Das Land senkt sich, und der Wasserspiegel steigt relativ dazu. Dieser Prozess wird glazio-isostatischer Ausgleich genannt. 2. Gletscher üben durch ihre Masse eine Anziehungskraft auf das umgebende Wasser aus. Beides wird reduziert, sobald das Eis schmilzt, wodurch das Wasser „losgelassen“ wird und sich in den Ozeanen verteilen kann. Zurück zum Antarktisbeispiel: In Argentinien würde das Wasser etwa um einen halben Meter ansteigen. Wegen der Verschiebungen im Erdmantel und durch die Umverteilung der Wassermassen stiege das Meer an der US-Ostküste oder in Deutschland aber um bis zu 1,3 Meter. Wer wiederum von der Antarktis aus aufs Wasser blickt, für den würde der Meeresspiegel sinken.
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Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.
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