Verursacht die Coriolis-Kraft den Wirbel in der Badewanne?
Max-Horst Mühlpfordt, Haale/Saale
Das Gerücht, dass ablaufendes Wasser in der Badewanne den Gesetzen der Coriolis-Kraft gehorcht, ist hartnäckig. Der Einfluss der Coriolis-Kraft in einer normalen Badewanne ist so gering, dass schon ein Lufthauch sie aushebeln kann. Erst in einer Badewanne von der 500fachen Größe einer normalen würde sich der Effekt der Coriolis-Kraft zuverlässig nachweisen lassen. Dies ergaben Berechnungen des Mathematikers Michael Page von der australischen Monash University. Die Coriolis-Kraft ist ein Effekt, der durch die Erdrotation verursacht wird. Ein Punkt am Äquator legt während einer Erdumdrehung rund 40000 Kilometer zurück. Da der Erdumfang zu den Polen hin abnimmt, hat ein Punkt weiter polwärts einen entsprechend kürzeren Weg - damit ist er vergleichsweise langsamer als ein Punkt am Äquator. Bewegt sich eine Masse nord- beziehungsweise südwärts, wird sie durch diese Geschwindigkeitsunterschiede abgelenkt - auf der Nordhalbkugel in Bewegungsrichtung nach rechts, auf der Südhalbkugel nach links. Demzufolge würde sich der Wirbel über dem Stöpsel in einer überdimensionalen Badewanne auf der Nordhalbkugel mit dem Uhrzeigersinn, auf der Südhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn drehen.
Stimmt es, dass die Hälfte des gesamten jährlich produzierten Sauerstoffs durch Algen freigesetzt wird?
Rüdiger Kremer, Kronshagen
Es ist sogar deutlich mehr als die Hälfte! Etwa zwei Drittel des jährlich freigesetzten Sauerstoffs werden von Süß- und Salzwasseralgen produziert. Diese meist einzelligen Organismen gehören zu den ältesten Pflanzen der Erde. Sie schweben in den obersten 100 bis 200 Metern des Wassers. Nur dort können Algen genügend Licht und Nährstoffe aufnehmen, um Photosynthese zu betreiben. Die Pflanzen nutzen dabei die Energie des Lichts, um organische Substanz aufzubauen. Dabei entsteht Sauerstoff als Nebenprodukt. Den Löwenanteil des Sauerstoffs produzieren die Kieselalgen. Sie sind so weit verbreitet, dass sie noch in der kleinsten Pfütze vorkommen und sogar in feuchten Böden bei geringem Licht Photosynthese betreiben. Schätzungen zufolge befinden sich in einem Liter Meerwasser bis zu Millionen der Einzeller. In manchen Gebieten wird die Planktongemeinschaft fast völlig von ihnen beherrscht. So wundert es kaum, dass Kieselalgen als die größten Sauerstoffproduzenten der Weltmeere gelten.
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Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder per E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Albert Gerdes und Kirsten Achenbach vom DFG-Forschungszentrum Ozeanränder an der Universität Bremen.
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