Warum wird an der deutschen Nordseeküste kein Stockfisch hergestellt?
Hans-Werner Klose, Otterndorf
Fisch und Besuch stinken nach drei Tagen, sagt der Volksmund. Zumindest für Fisch muss das nicht gelten. Ehe Kühlschrank und Konserve ihren Siegeszug antraten, garantierten Fisch, Fleisch und Obst in getrockneter Form den Menschen gehaltvolle Nahrung zu jeder Jahreszeit. Beim Trocknen gehen mehr als zwei Drittel jener Flüssigkeit verloren, in der Fäulnisbakterien sich vermehren. Daher halten sich getrocknete Lebensmittel wesentlich länger. Stockfisch, so die genaue Bezeichnung für getrockneten, aber ungesalzenen Fisch, wird meist aus Kabeljau hergestellt. In Island, Norwegen und auf den Färöern wird dieser Fisch in großen Mengen gefangen und verarbeitet. Die vor der deutschen Küste gefangenen Speisefische sind dagegen fettreicher und eignen sich daher eher zum Räuchern. So hat sich eine Stockfischtradition kaum begründen können. Diese spielt bei der Verbreitung des Trockenfischs aber eine große Rolle: Bereits im Mittelalter verproviantierten sich Norwegens und Islands Seefahrer für ihre Törns mit Stockfisch.
Wieso kann man Schwäne im Vergleich zu anderen Seevögeln auf dem Radarschirm so leicht mit Tonnen verwechseln?
Bernhard Löbermann, per E-Mail
Bei Nacht schütten Segler häufig eine Pütz voll Wasser in die Segel, um auf den Radargeräten der Berufsschifffahrt ein stärkeres Echo zu erzeugen. Denn Materialien wie Segelstoff oder Vogelfedern reflektieren Radarstrahlen nur sehr schwach. Wassertropfen hingegen reflektieren die elektromagnetischen Wellen, die ein Radargerät aussendet, hervorragend. Auch Vogelkörper geben ein relativ deutliches Echo ab. Mit einem guten Gerät kann man bei ruhigem Wetter selbst eine Möwe in einer Seemeile Entfernung auf dem Radarschirm erkennen. Da Schwäne größer als Möwen sind, geben sie ein entsprechend kräftigeres Echo ab. Außerdem bremsen die großen Vögel im Gegensatz zu Möwen beim Wassern mit den Füßen. Die feinen Tröpfchen, die dabei das Gefieder benetzen, verstärken unter Umständen das Radarecho. Wenn sich nun nahe verankerte Tonnen durch Strömung, Wind oder Wellen so stark neigen, dass sie nur wenig Rückstrahlung auf dem Radarschirm erzeugen, kann selbst ein erfahrener Seemann bei unsichtigem Wetter oder während der Nacht einen Schwan leicht mit einer Tonne verwechseln.
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Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder per E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Albert Gerdes und Kirsten Achenbach vom DFG-Forschungszentrum Ozeanränder an der Universität Bremen.
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