Leser fragen mare

Ihre mare-Hotline in die unerforschten Weiten und Tiefen der Meere

Warum laufen Wellen in Landnähe häufig in eine andere Richtung als der Wind, der sie ja erzeugt?
Peter Wiechmann, per E-Mail

Pustet man kräftig in die Kaffeetasse, um sich nicht den Mund zu verbrühen, sieht man Miniaturwellen vor dem Atem fliehen. Wind macht also Wellen. Doch das heißt noch lange nicht, dass er auch die Richtung der Wellen bestimmt, gerade in Landnähe. Warum das so ist, erklärt wieder mal das Buch „Seewetter“ des Seewetteramts. „Laufen die Wellen auf einen Strand auf, so richten sich bereits weit draußen die Wellenkämme parallel zum Anstieg des Meeresbodens aus.“ Denn in flacherem Wasser laufen die Wellen langsamer als in tiefem Wasser. Der seewärtige, vom Strand entfernte Teil einer Welle ist daher schneller als der landseitige. So schwenkt die Welle auf den Strand zu, bis sie parallel heranrollt. An kleineren Inseln wird dieses Refraktion genannte Phänomen besonders deutlich: Stellen wir uns die Welle als ein Kind mit ausgebreiteten Armen vor, das sich vom Wind treiben lässt. Hält es sich an einer Stange fest (in Realität unsere kleine Insel), wird es von der Stange gebremst und es wickelt sich um die Stange, wie die Wellen um die Insel laufen – unabhängig von der Windrichtung. An Steilküsten behalten die Wellen ihre ursprüngliche, vom Wind bestimmte Richtung bei.


Wie gehen Haie, besonders die Grönlandhaie, mit den hohen Harnstoffkonzentrationen in ihrem Körper um?

Cathleen Holze, per E-Mail

Der chemische Cocktail, der in unserem Blut – und auch dem der meisten anderen Organismen – wirbelt, ist nicht nur aus Gutverträglichem zusammengemischt. Das Blut befördert neben Zucker, Hormonen und Sauerstoff auch die Abfallstoffe des Zellstoffwechsels. Daher haben die meisten Tiere und auch Haie eine körpereigene Entgiftungsstation, die Niere. Bei manchen Haien ist dies kein abgegrenztes Organ, sondern nur verteilte Gewebe, die diese Funktion wahrnehmen. Trotzdem enthalten viele Haie ein Gift in großer Menge in ihrem Körper: Harnstoff. Dieser zerlegt in zu hohen Konzentrationen wichtige Proteine. Dennoch können die Haie gut überleben, denn sie haben auch das Gegengift: Trimethylaminoxid, kurz TMAO. Die hohen Konzentrationen von Harnstoff und TMAO helfen ihnen, im Salzwasser zu überleben. Denn Wasser hat recht egalitären Charakter und versucht, Konzentrationsunterschiede auszugleichen – so auch zwischen dem salzigen Meerwasser und dem an sich etwas weniger salzhaltigen Haikörper. Der Hai braucht aber das Wasser, damit alle Körperfunktionen wie geschmiert laufen. Also gleicht er seine Gesamtsalzkonzentration mit Harnstoff und TMAO der Konzentration des Meerwassers an, und – voilà, das Wasser bleibt im Hai.


Dies ist ein Auszug aus dem Text. Den ganzen Beitrag lesen Sie in mare No. 67. Abonnentinnen und Abonnenten lesen ihn auch hier im mare Archiv.

mare No. 67

No. 67April / Mai 2008

MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800 / 218 218 2, gebührenfrei) oder per E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Kirsten Achenbach und Jana Stone von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen.

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