Warum haben Schollen beide Augen auf derselben Seite?
Frank Schmieder, Bremen
Schollen gehören zu den Plattfischen, und diese leben am Meeresboden. Aus gutem Grund: Denn ihre besondere Körperform findet leicht Deckung, und ihre Fähigkeit, die Haut der Farbe und Musterung der Umgebung anzupassen, ist ein effizienter Schutz vor Fressfeinden, zumal Plattfische sich auch noch schnell eingraben können. Manche Bodenfische sind im Lauf der Evolution gewissermaßen „in die Breite“ gegangen, Plattfische hingegen sind „umgefallen“ – und zwar Seezungen und Butte nach rechts, Schollen nach links. Letztere liegen also mit der linken Seite auf dem Boden. Ein Auge an der Körperunterseite hat da nicht viel Sinn, also ist es im Lauf der Evolution an die Oberseite gewandert. So tragen Schollen beide Augen rechts und sind „rechtsäugige“ Plattfische. Natürlich hat sich der „Bauplan“ der Plattfische über lange Zeiträume verändert. Doch sieht man sich Schollenlarven genau an, kann man diesen Prozess verfolgen: Wenn die Larven aus dem Ei schlüpfen, sehen sie aus wie ganz normale Fische – mit einem Auge auf jeder Seite. Doch nach ein bis zwei Monaten – die jungen Schollen sind dann etwa zehn Millimeter groß – werden sie im Wortsinn zu Plattfischen: Das linke Auge wandert auf die rechte Seite, und die Fische schwimmen mehr und mehr auf der Seite, bis sie schließlich mit der linken Seite auf dem Boden liegen und mit beiden Augen nach oben schauen können.
Was bedeuten die Begriffe „Reeder“ und „Reederei“? Sind sie verwandt mit „auf Reede liegen“?
Hero Feenders, Rothenburg/Wümme
Es überrascht nicht, dass die Begriffe Reede und Reederei Wortstamm und wortgeschichtliche Herkunft teilen. Über die eigentliche Wortbedeutung sind sich die Autoren einschlägiger Wörterbücher jedoch keineswegs einig. Fest steht jedenfalls, dass sich aus dem mittelniederdeutschen Wort „rede“ oder „reide“, das so ähnlich auch im Angelsächsischen und im Dänischen verwendet wurde, das mittelhochdeutsche „reit“ beziehungsweise das neuhochdeutsche „bereit“ (und das englische Pendant „ready“) entwickelte. Dementsprechend definiert Otto Mensing in seinem „Schleswig-Holsteinischen Wörterbuch“ die Reede als „bequemen Ort, auf dem Strome oder Meere …, wohin sich die Schiffe legen, wenn sie angekommen oder zur Abfahrt bereit sind“. Dies deckt sich mit dem „Deutschen Wörterbuch“ der Brüder Grimm. Derselben Ortsbeschreibung stimmt auch Friedrich Kluge in seinem Wörterbuch „Seemannssprache – Wortgeschichtliches Handbuch alter Schifferausdrücke“ zu. Hinsichtlich der Wortbedeutung von Reede und Reederei setzt er in seinem Standardwerk aber einen anderen Akzent: „Die ganze Gruppe hängt zusammen mit ,reiten‘ (,vor Anker reiten‘). Reede also eigentl. der Ankerplatz, wo die Schiffe vor Anker reiten.“
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Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.
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