Leser fragen mare

Ihre mare-Hotline in die unerforschten Weiten und Tiefen der Meere

Seit wann leben Tiere auf der Erde?
Nicole Schmidt, Menton, Frankreich

Leben auf der Erde gibt es seit etwa 3,5 Milliarden Jahren. Komplexe Lebensformen, die über Mikroben hinausgehen, entstanden aber erst während der Kambrischen Explosion vor etwa 540 Millionen Jahren. Hier erschienen erstmals neue, grundlegende Muster für Baupläne höherer Lebewesen. Aber schon davor, das konnten Forscher durch Fossilienfunde nachweisen, hat es die Ediacara-Fauna gegeben, zu der auch Dickinsonia gehört. Aber ist Dickinsonia ein Tier, eine Pflanze oder ein Pilz? Forschende haben lange diskutiert, ob dieser frühe Organismus eher im Tier- oder Pflanzenreich oder bei den Einzellern anzusiedeln ist. Licht ins Dunkel hat jetzt ein internationales Forscherteam gebracht: Sie haben in Fossilien enthaltene organische Überreste im Labor untersucht. Sie fanden dabei Steroide, die zu den Lipiden gehören, und darin wiederum ließen sich fossile Cholesterinmoleküle nachweisen. Sie sind als Bestandteil von Zellmembranen lebensnotwendig, und sie führten das Team auf die richtige Spur: Die Zusammensetzung des Materials unterscheidet sich ganz klar von heute lebenden Einzellern, mit denen die Proben üblicherweise verglichen werden. Dass Dickinsonia ins Tierreich eingeordnet wird, markiert einen Meilenstein bei der Rekonstruktion, wie Arten entstanden sind. Ihre Funde im Gestein haben die Forscher übrigens auf 558 Millionen Jahre vor heute datiert – und damit ist Dickinsonia der älteste bekannte Organismus aus dem Tierreich.


Kann der gescheiterte Antrag auf ein Meeresschutzgebiet in der Antarktis 2019 neu verhandelt werden?
Herbert Stein, per E-Mail

Die Hoffnungen waren groß, als die Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis im vergangenen Oktober den Antrag auf ein 1,8 Millionen Quadratkilometer großes Meeresschutzgebiet im antarktischen Weddellmeer verhandelte. Doch von den 25 Kommissionsmitgliedern stimmten Norwegen, Russland und China dagegen. Wirtschaftliche Interessen setzten der Einrichtung des weltweit größten Meeresschutzgebiets vorerst ein Ende. „Damit ist der Antrag aber nicht vom Tisch. Die Verhandlungen werden fortgesetzt“, sagt Sandra Schöttner von Greenpeace. „Das Problem ist: Die Kommission muss einstimmig entscheiden. Ein Veto reicht, um den Antrag abzulehnen.“ So hängt auch ein weiterer Vorschlag auf ein antarktisches Schutzgebiet fest, seit er 2012 eingereicht wurde. Doch die Zeit wird knapp. Um die empfindlichen Ökosysteme im Meer erhalten zu können, fordern Wissenschaftler, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Ozeane unter Schutz zu stellen – derzeit sind es nur circa vier Prozent. „Wir blicken nun gespannt auf die UN, die bis 2020 das erste weltweite Abkommen zum Schutz der Hohen See beschließen wollen. Damit hätten wir ein rechtsverbindliches Regelwerk und den wichtigsten Meilenstein auf dem Weg zur Einrichtung von Meeresschutzgebieten“, so Schöttner.


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mare No. 132

No. 132Februar / März 2019

MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

Ihre maritimen Fragen können Sie per Telefon (0800/218 218 2, gebührenfrei) oder E-Mail (wat@mare.de) stellen. Es antworten Ihnen Jana Stone und Ulrike Prange von MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen.

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