Gesellschaft
Freiheit für die Gefangenen von Pitcairn
Nach weniger als zwei Jahren Haft sehen die sechs Pitcairner, die wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger Freiheitsstrafen verbüßen, ihrer Entlassung an Weihnachten dieses Jahres entgegen. Ein von der britischen Justiz eingesetztes Gericht auf der Insel verurteilte die Männer 2004 nach weltweit beachteten und kontrovers diskutierten Prozessen wegen insgesamt 55 Fällen von Vergewaltigung und Verführung Minderjähriger. Sie traten ihre Haft Ende 2006 an. Trotz der Schwere der Vergehen, darunter die gemeinschaftliche Vergewaltigung einer Zehnjährigen, fielen die Urteile mit Haftstrafen zwischen zwei und sechseinhalb Jahren vergleichsweise mild aus. Die Delinquenten konnten nach einem Drittel ihrer Strafe Haftaussetzung beantragen, ihren Hausarrest sogar noch früher. Steve Christian, früherer Bürgermeister von Pitcairn und wegen fünf Vergewaltigungen verurteilt, saß nur neun Monate in Haft und ist seither Freigänger. Sein Sohn Shaw, beschuldigt der gemeinschaftlichen Vergewaltigung, wurde kürzlich in Hausarrest entlassen. Die Verurteilten sind allesamt Nachfahren der „Bounty“-Meuterer, die sich im 18. Jahrhundert auf der südpazifischen Insel niedergelassen hatten. Großbritannien kostete der Prozess in der Kronkolonie, die kaum 50 Einwohner zählt, umgerechnet mindestens sieben Millionen Euro, die Ermittlungen erstreckten sich über drei Kontinente. Wegen der langwierigen Verfahren und der logistischen Probleme, die die Prozesse auf der entlegenen Insel verursachten, mussten einige der Opfer jahrelang auf die Anklage warten. Manche von ihnen sind nun empört darüber, dass die Männer wieder in Freiheit sind. Eine heute in Neuseeland lebende Frau sagte der australischen Zeitung „Sydney Morning Herald“: „Das Urteil war für die Täter nicht mehr als ein Klaps auf den Hintern, das Gefängnis ist ein Witz, und die meisten von ihnen sind ohnehin frei. Wir Opfer dagegen leiden lebenslänglich.“ Für die beiden letzten Inhaftierten mag die Haft noch erträglich sein. Das Gefängnis, ein Spaziergang von ihrem Zuhause entfernt, hat Meerblick, die Unterkünfte sind geräumig und mit separaten Bädern ausgestattet. Beinahe täglich verlassen sie für ihre Arbeit die Arresträume. Nach Ende der Haft sollen in den Gefängnisbungalows, bei deren Errichtung die Straftäter zum Teil mit Hand anlegten, Inselgäste untergebracht werden. kjs
Wirtschaft
Google geht baden
Den Suchmaschinenbetreiber Google zieht es jetzt auch ins Meer. So plant die Firma derzeit offenbar, nach der Satellitendatenbank Google Earth und dem digitalen Kosmosbildarchiv Google Sky auch eine Karte der Welt unter dem Meeresspiegel im Internet zu veröffentlichen: Google Ocean. Damit sollen am Computer virtuelle, dreidimensionale Fahrten über den Meeresboden, über Tausende Meter hohe Ozeanrücken und durch imposante Tiefseegräben möglich werden. Datenbasis des ozeanischen Internetdiensts sind vermutlich wissenschaftliche Tiefenmessungen von Forschungsschiffen und Satelliten, sogenannte bathymetrische Daten. Auf den Meereskarten wird der Internetnutzer außerdem zusätzliche Informationen wie Wetter- und Meeresströmungsdaten, Temperaturen, aber auch die Position von Schiffswracks, Korallenriffen oder aktuellen Algenblüten anklicken und aufrufen können. Noch hat die Firma aus dem kalifornischen Mountain View die Entwicklung und Veröffentlichung von Google Ocean nicht bestätigt. Nach Aussage von Experten hatte das Unternehmen aber bereits Ende letzten Jahres zahlreiche Meeresforscher in seine Zentrale eingeladen, um auszuloten, inwieweit eine globale dreidimensionale Unterwasserkarte realisierbar ist. ts
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| Vita | Aus der Redaktion |
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| Person | mare-Kulturredaktion |
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