Versuch mal das, was du in einer Woche gemacht hast, oder auch nur an einem Tag, in hundert Wörter zu fassen.“ Das sind die Worte des Geologen Chris Edwards, als er über den Alltag seiner Arbeit für den Falkland Islands Dependencies Survey spricht. Die Fids, wie sie genannt wurden, waren abenteuerlustige britische Wissenschaftler und Hilfskräfte, die vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die frühen 1970er-Jahre den Küstenverlauf der Antarktischen Halbinsel vermessen haben. Geologen, Meteorologen, Geodäten und Ingenieure, die meisten Anfang zwanzig, „überwinterten“ ein oder zwei Jahre in einem Netz aus Basislagern (bei denen es sich um Holzhütten handelte), um unter den widrigsten Bedingungen, die der Planet zu bieten hat, zu vermessen und wissenschaftliche Daten zu sammeln.
Nicht nur bin ich mehrmals in die Antarktis gereist, um diese Orte zu fotografieren. Ich redete auch mit den Wissenschaftlern, den Abenteurern von einst, über ihre Erlebnisse damals. Vor allem über das den damaligen Umständen geschuldete Unvermögen, eben diese Erlebnisse der Familie daheim ausführlich schildern zu können. So erzählte mir Chris, wie begrenzt er darin war, Nachrichten an seine Familie zu schicken, die 15 000 Kilometer entfernt im Vereinigten Königreich lebte: „Wir durften 100 Wörter im Monat senden, ein Wort bestand aus maximal fünf Buchstaben, Leerzeichen zählten mit.“
An diesem Punkt haben Sie bereits deutlich mehr als 100 Wörter gelesen, und wenn es nach den Regeln ginge, die in den 1960ern in der Antarktis galten, würde ich nun verstummen und es Ihnen überlassen, sich den Rest der Geschichte zu denken.
Etwa 50 Jahre vor der Erfindung der Kommunikation per Satellit und E-Mail wurden Nachrichten aus der Antarktis per Fernschreiber über Kurzwellenfunk nach Port Stanley auf den Falklandinseln geschickt, dort transkribiert und als reguläre Post oder Telegramm an Familie und Freunde im Vereinigten Königreich geschickt. Jede Woche fand ein Transport statt, zwei Tage später erreichten die Briefe die Empfänger.
Schon bald werde ich ein weiteres Mal in die Antarktis reisen, um dort als Fotograf zu arbeiten und daran zu scheitern, das Erlebte in den gut 3000 Fotografien zu beschreiben, die ich von jeder Reise mitbringe. Ich versuche mir die unmögliche Aufgabe vorzustellen, diese fremde Welt in monatlich 100 Wörtern zu schildern, die Schönheit zu vermitteln, die Leere und die Trostlosigkeit, die man dort gelegentlich empfindet.
Chris hat für den FIDS als Geologe auf Stonington Island gearbeitet, Standort sowohl eines amerikanischen als auch eines britischen Basislagers und wichtiges Glied in der Kette von Forschungsstationen, die sich die Küste entlangzogen. Ich habe Chris gefragt, wie er seine Erlebnisse in eine Kurzfassung brachte, wenn er nach Hause schrieb. „Wir haben unseren Eltern nichts erzählt, was ihnen Sorge hätte bereiten können, etwa dass wir in einem schweren Sturm zehn Tage in einem Zelt verbringen mussten oder wie Wind mit Geschwindigkeiten von 150 oder 170 Stundenkilometern ein Zelt in Fetzen gerissen hat. Wir beließen es bei ,Wie geht es euch? Mir geht es gut.‘ Ihnen erzählen, dass wir in eine Gletscherspalte gefallen waren? Im Leben nicht.“
Jim Turton hat Mitte der 1970er-Jahre auf der antarktischen Faraday-Station die Ionosphäre erforscht und die Beschränkung in einem kurzen Text so beschrieben: „Ich meine mich zu erinnern, dass ich es schrecklich ungerecht fand, dass mir meine Familie 200 Wörter schicken konnte, ich aber nur 100 Wörter senden durfte. Warum galt nicht auch für sie die Grenze von 100 Wörtern? Das hätte es mir erspart, von der früheren Freundin zu erfahren, die geheiratet hatte, und dem Kumpel, der mit dem Motorrad tödlich verunglückt war.“
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Nick Cobbing, geboren 1967, lebt abwechselnd in London und Stockholm. Er arbeitet als freier Fotograf, unter anderem für das „National Geographic Magazine“ und „The Sunday Times“. Bevorzugt fotografiert er wilde Landschaften und erzählt Geschichten, die unsere Beziehung und Verbindung zu dem, was wir Natur nennen, beleuchten. Mehr als ein Dutzend Mal reiste er in die Antarktis.
| Lieferstatus | Lieferbar |
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| Vita | Nick Cobbing, geboren 1967, lebt abwechselnd in London und Stockholm. Er arbeitet als freier Fotograf, unter anderem für das „National Geographic Magazine“ und „The Sunday Times“. Bevorzugt fotografiert er wilde Landschaften und erzählt Geschichten, die unsere Beziehung und Verbindung zu dem, was wir Natur nennen, beleuchten. Mehr als ein Dutzend Mal reiste er in die Antarktis. |
| Person | Von Nick Cobbing |
| Lieferstatus | Lieferbar |
| Vita | Nick Cobbing, geboren 1967, lebt abwechselnd in London und Stockholm. Er arbeitet als freier Fotograf, unter anderem für das „National Geographic Magazine“ und „The Sunday Times“. Bevorzugt fotografiert er wilde Landschaften und erzählt Geschichten, die unsere Beziehung und Verbindung zu dem, was wir Natur nennen, beleuchten. Mehr als ein Dutzend Mal reiste er in die Antarktis. |
| Person | Von Nick Cobbing |