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Zunehmend ersetzen Drohnen die klassischen Methoden bei der Inspektion von Schiffen und Windparks. Ihre Hersteller denken schon weiter

Es brummt laut und bedrohlich, als flöge ein Hornissenschwarm durch den schwarzen Schiffsbauch. Doch Leszek Alba ist ganz entspannt. Er hat den Kopf in den Nacken gelegt und schaut nach oben. Eine rot-grün blinkende Drohne fliegt durch den haushohen Stahltank. Mit einem kleinen Scheinwerfer leuchtet sie ihre Flugbahn aus. Sachte bewegt Alba den Joystick seiner Fernbedienung, die an einem Gurt vor seinem Bauch hängt. Und ebenso sachte nähert sich die Drohne der Wand. Zwei kleine Arme ragen aus ihr heraus. 

Normalerweise meiden Drohnenpiloten Boden- und Seitenkontakt um jeden Preis. Alba aber lenkt die Drohne immer näher zur Wand, Zentimeter für Zentimeter. Er kneift die Augen zusammen, um die Bewegungen des Fluggeräts im Halbdunkel zu erkennen. Dann endlich, touché, die Arme berühren den Stahl. Brummend verharrt die Drohne an ihrem Platz. „Jetzt können wir messen“, sagt Alba zu seinem Kollegen Robert Ziolkowski, der neben ihm vor einem Koffer mit einem Notebook hockt. Auf dem Bildschirm läuft der Live-stream der Drohnenkamera. Auch ein paar Zahlen sind zu sehen. Ziolkowski prüft die Werte: „11,5 Millimeter Dicke, das sieht gut aus.“

Alba und Ziolkowski arbeiten als Drohnenpiloten und Sachverständige in der Drohnenabteilung der Klassifikationsgesellschaft DNV, einer Art Schiffs-TÜV, in Danzig. Alba hat dort sein Hobby, das Drohnenfliegen, zum Beruf gemacht. Für gewöhnlich lässt er seine Drohnen über Land aufsteigen. DNV aber hat die Drohnen aufs Meer geholt – für Inspektionen von Frachtschiffen, Tankern oder auch Ölplattformen, die alle paar Jahre fällig sind. Dafür werden erfahrene Drohnenpiloten gebraucht. „Wir sind 2015 in die Inspektion per Drohne eingestiegen“, sagt Tomasz Oledzki, Chef des Danziger Drohnenteams. „Reeder hatten uns gefragt, ob wir die Inspektion beschleunigen können, um die Liegezeiten zu verkürzen. So kamen wir auf die Idee, es mit Drohnen zu versuchen.“ 

Die herkömmliche Inspektion eines Massengutfrachters oder Tankers kostet enorm viel Zeit. Techniker suchen den Stahl und die Verstrebungen der Tanks und Laderäume Meter für Meter nach Rissen, Rost und Schäden in der Beschichtung ab. Auch tasten sie Stahlwände mit Prüfsensoren ab, um deren Dicke zu messen. Denn ständig nagt die Korrosion am Metall. Der Stahl wird mit der Zeit dünner. Besonders kritisch sind die Stellen ganz oben in den Tanks, in 15 oder gar 20 Meter Höhe, im Bereich der maximalen Füllhöhe, weil die Wände dort zugleich der Luft und der Flüssigkeit ausgesetzt sind. Hier können Stahl und Beschichtung besonders schnell korrodieren. Im schlimmsten Fall schlägt der Tank leck. 

Bislang gibt es drei aufwendige Methoden, um einen Laderaum zu inspizieren: Bei großen Tankern flutet man die Tanks mit Wasser, damit sich die Sachverständigen Meter um Meter auf einem Floß an der Wand entlangarbeiten können. In anderen Fällen bauen die Prüfer Baugerüste auf, an denen sie nach oben klettern. Und drittens gibt es noch die Möglichkeit, Industriekletterer hinaufzuschicken. „In jedem Fall liegt ein Schiff dann für viele Tage außer Dienst im Hafen“, sagt Oledzki.

Als Oledzkis Team mit den ersten Drohnentests begann, war offen, ob Inspektionen per Fernbedienung überhaupt funktionieren. Im Inneren der Schiffe ist es stockdunkel. Es gibt Verstrebungen, Ecken und Kanten, mit denen eine Drohne kollidieren könnte. Außerdem war unklar, ob die Auflösung der Drohnenkamera ausreichen würde, um auch feine Haarrisse zu erkennen. 

„Bei den ersten Tests haben wir fünf Drohnen gecrasht“, erzählt Oledzki. „Wir haben die Drohnen dann mit kleinen Sicherheitsbügeln und zusätzlicher Beleuchtung ausgestattet – und am Ende hat es geklappt. Unsere Piloten navigieren inzwischen sicher durch das Schiffsinnere, und im Kamerabild können wir Schäden bestens erkennen.“ Seit einiger Zeit messen die Drohnen sogar die Dicke des Stahls. Oledzki hat die Arme, die die Messköpfe halten, mit einem 3-D-Drucker für die Drohne maßgefertigt. „Wir können einen Tank jetzt innerhalb weniger Stunden vermessen und prüfen.“ 

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mare No. 148

mare No. 148Oktober / November

Von Tim Schröder

Wie schwer es sein kann, eine Drohne zu steuern, erfuhr der Oldenburger Wissenschaftsjournalist Tim Schröder, Jahrgang 1970, zum ersten Mal, als eine Windböe die Spielzeugdrohne seines Sohns aufs Dach wehte. Es gab viele Tränen.

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Vita Wie schwer es sein kann, eine Drohne zu steuern, erfuhr der Oldenburger Wissenschaftsjournalist Tim Schröder, Jahrgang 1970, zum ersten Mal, als eine Windböe die Spielzeugdrohne seines Sohns aufs Dach wehte. Es gab viele Tränen.
Person Von Tim Schröder
Vita Wie schwer es sein kann, eine Drohne zu steuern, erfuhr der Oldenburger Wissenschaftsjournalist Tim Schröder, Jahrgang 1970, zum ersten Mal, als eine Windböe die Spielzeugdrohne seines Sohns aufs Dach wehte. Es gab viele Tränen.
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