Der Grund des Pazifiks ist holperig wie eine alte Dorfstraße mit löchrigem Kopfsteinpflaster. Schier unendlich erscheint die submarine Buckelpiste. Dicht an dicht ruhen hier am Meeresboden zwischen Hawaii und Mexiko kartoffelgroße Klumpen, ein wenig in den Matsch gesunken, doch gut sichtbar: Manganknollen. Es sind viele Milliarden. Den Knollen sieht man ihr metallisches Wesen nicht wirklich an. Es sind schnöde, schwarze, knorrige Brocken.
Doch bereits in den 1960er-Jahren weckten sie das Interesse von Wissenschaftlern. Sie untersuchten die Knollen erstmals genauer und stellten fest, dass sie voller wertvoller Metalle sind – vor allem Mangan und Eisen, aber auch Nickel, Kupfer, Kobalt, Lithium und Seltene Erden. Ihnen ging auf, dass mehrere Tausend Meter tief am Meeresboden ein gigantischer Schatz ruht. Schon damals kamen Ingenieure auf die Idee, die Metallerzbrocken zu ernten. Mit Schleppgeschirr an langen Stahltrossen versuchten sie, die Knollen vom Meeresboden aufzulesen. Doch das war mühsam. Zudem waren die Metallpreise moderat. Es lohnte sich nicht, groß in neue Unterwassertechnik zu investieren. Bis auf Weiteres blieb die Menschheit dabei, Metalle aus Erzminen an Land zu schürfen.
Doch über die Jahre ist die Idee vom Bergbau am Meeresboden immer wieder aufgeblüht – zuletzt im Zug der Debatte darüber, wie abhängig Deutschland und Europa von Rohstoffnationen wie China und anderen Staaten sind. Besonders deutlich wurde das in der „Seltenerdkrise“ des Jahres 2010.
Seltene Erden werden für Brennstoffzellen benötigt, für Elektromotoren in E-Autos, für die Magnete in den Rotoren von Windenergieanlagen und auch für LED-Lampen – also für jene Technologien, die die Energiewende überhaupt erst möglich machen. Damals lag Chinas Anteil an der weltweiten Produktion bei 97 Prozent, faktisch ein Monopol. Als die Regierung in Peking die Exportmengen um rund 40 Prozent kürzte, standen die Industrienationen unter Schock. Die Preise vervielfachten sich, für einzelne Metalle stiegen sie sogar um das Zehnfache. Zwar entspannte sich die Lage später wieder. Doch auch heute noch stammen rund 70 Prozent aller Seltenen Erden aus China.
Bei anderen Metallen ist die Abhängigkeit ähnlich groß. Die Demokratische Republik Kongo etwa ist der wichtigste Produzent von Kobalt, einem zentralen Bestandteil von Akkus und Batteriespeichern. Rund 70 Prozent des weltweiten Kobalts stammen aus dem von Krisen und Bürgerkriegen geplagten Land. „Die Abhängigkeit von vor allem China, aber auch vom Kongo oder von Ländern wie Russland ist enorm“, sagt Carsten Rühlemann, Experte für Meeresbergbau an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. „Wir sprechen daher auch von Rohstoffkritikalität.“ Die EU stuft derzeit 34 Rohstoffe als „kritisch“ ein, weil sie diese aus nur einem oder wenigen Ländern bezieht. Entsprechend bemühen sich die EU-Staaten, unabhängiger zu werden: Sie wollen Metalle stärker recyceln und neue Quellen erschließen – möglicherweise auch im Meer, in den Manganknollen.
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Tim Schröder, Jahrgang 1970, Wissenschaftsjournalist in Oldenburg, kann dem Thema Tiefseebergbau durchaus etwas Positives abgewinnen. Es zeigt, dass internationale Politik unter dem Dach der UN auch heute noch möglich ist.
Fotografin Kristina Steiner, geboren 1980, lebt an der Schlei. Sie interessiert sich für das Meer, das Leben an den Küsten und dafür, wie Menschen sich mit ihrer Umwelt identifizieren. Zuletzt arbeitete sie regelmäßig in Papua-Neuguinea, wo auch diese Geschichte über den Tiefseebergbau ihren Anfang nahm.
Für ihre fachliche Unterstützung danken wir Dr. Annemiek Vink und Dr. Thomas Kuhn von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.
| Lieferstatus | Lieferbar |
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| Vita | Tim Schröder, Jahrgang 1970, Wissenschaftsjournalist in Oldenburg, kann dem Thema Tiefseebergbau durchaus etwas Positives abgewinnen. Es zeigt, dass internationale Politik unter dem Dach der UN auch heute noch möglich ist. Fotografin Kristina Steiner, geboren 1980, lebt an der Schlei. Sie interessiert sich für das Meer, das Leben an den Küsten und dafür, wie Menschen sich mit ihrer Umwelt identifizieren. Zuletzt arbeitete sie regelmäßig in Papua-Neuguinea, wo auch diese Geschichte über den Tiefseebergbau ihren Anfang nahm. Für ihre fachliche Unterstützung danken wir Dr. Annemiek Vink und Dr. Thomas Kuhn von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. |
| Person | Von Tim Schröder und Kristina Steiner |
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| Vita | Tim Schröder, Jahrgang 1970, Wissenschaftsjournalist in Oldenburg, kann dem Thema Tiefseebergbau durchaus etwas Positives abgewinnen. Es zeigt, dass internationale Politik unter dem Dach der UN auch heute noch möglich ist. Fotografin Kristina Steiner, geboren 1980, lebt an der Schlei. Sie interessiert sich für das Meer, das Leben an den Küsten und dafür, wie Menschen sich mit ihrer Umwelt identifizieren. Zuletzt arbeitete sie regelmäßig in Papua-Neuguinea, wo auch diese Geschichte über den Tiefseebergbau ihren Anfang nahm. Für ihre fachliche Unterstützung danken wir Dr. Annemiek Vink und Dr. Thomas Kuhn von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. |
| Person | Von Tim Schröder und Kristina Steiner |