»Eine erste Walfinne schiebt sich aus dem Wasser. Schiebt dir die Freude, dass es Leben gibt, ins Herz.«
Sie will Zeugnis ablegen von arktischer Schönheit und Zerbrechlichkeit, ist auf der Suche nach unserer Verbundenheit mit diesem gefährdeten Lebensraum, nach größeren Zusammenhängen. Dafür unternimmt die Autorin zwei Reisen mit kleinen Schiffen, im Sommer nach Spitzbergen, im Winter von Tromsø aus durch nordnorwegische Fjorde. Sie findet eine Welt voll verborgenem Leben, in der mensch klein wird. Polartag und -nacht öffnen besondere Resonanzräume, und in der äußeren Stille wird Überhörtes hörbar: Lebewesen, Elemente, Atmosphären, die die mit geschärften Sinnen Reisende überraschend unmittelbar berühren und durchdringen, körperlich, psychisch und geistig. Ulrike Draesner erzählt in ganz neuer, naturdurchlässiger Sprache in zwei Essays davon, wie die Arktis uns angeht und Antwort darauf geben kann, was wir sind.
Ulrike Draesner, 1962 in München geboren, wurde für ihre Romane, Essays und Gedichte vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Preis für Nature Writing 2020 für den ersten Essay aus Radio Silence. Zuletzt erhielt sie den Christine-Lavant-Preis sowie den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds für ihr Gesamtwerk. Nach verschiedenen internationalen Gastdozenturen und Poetikvorlesungen ist sie seit 2018 Professorin am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin, des PEN Berlin und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Draesner lebt mit ihrer Tochter in Berlin.