mare No. 133

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit Mitte, Ende fünfzig mag man einiges erlebt haben und kann demnach Situationen sicher einschätzen oder zumindest ein Gefühl dafür entwickeln. Auch wenn die Flucht seit Jahrhunderten zum Alltag von Millionen Menschen gehört, ist sie mir und meinem Leben jedoch so fremd, dass ich die Ausmaße von Ängsten und Nöten Flüchtender kaum begreifen kann. Europas Nachkriegsgenerationen kennen weder Vertreibung noch Krieg, Hungersnot oder Naturzerstörung, die Flucht in nennenswertem Ausmaß hervorbrachte. Unsere Empathie für Flüchtende beruht demnach auf Berichten. Und wir verdrängen dadurch diese Grauen einfacher und schneller, als wenn wir sie selbst erlebt hätten. Nur so lässt sich erklären, dass der Begriff „Flüchtling“ inzwischen immer öfter negativ konnotiert ist, die Opfer schlimmster Not und Verzweiflung zu selten als solche wahrgenommen werden.
In mare berichten wir seit Anbeginn von Fluchten über das Meer. Vor genau zehn Jahren, in der April/Mai-Ausgabe 2009, lasen Sie über die grauenvolle Flucht von Somalia in den Jemen. Inzwischen gibt es eine Rückflucht aus dem Jemen, sogar in beide Richtungen gleichzeitig. Unsere Fotografin Alixandra Fazzina reiste jetzt wieder, wie schon damals, mehrmals für mare an den Golf von Aden und beschreibt das andauernde, unendliche Elend der Menschen dort. Dimitri Ladischensky besuchte in Wolfsburg geflüchtete Mädchen, die im sicheren Deutschland schwimmen lernen, um ihr Trauma des Mittelmeers zu bekämpfen. Martin Kolek, freiwilliger Retter auf dem Schiff „Sea-Watch 2“, beschreibt, wie er einen toten Jungen barg. Und ein Dorf in Süditalien plant einen Friedhof für Flüchtende, die das Meer nicht überlebt haben. – Wir geben nicht auf, uns allen immer wieder vor Augen zu führen, was es bedeutet, zu flüchten: Elend, Tod und Angst.

Nikolaus Gelpke

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Die mare-Reportage

Auf einer Wellenlänge

Auf einer Wellenlänge

Beredte Porträts – Surfer in aller Welt eint die eine Leidenschaft, die allen sportlichen Ehrgeiz übertrifft: die Welle

Politik

Hin und zurück

Hin und zurück

Eine Katastrophe ohne sichtbares Ende: Die Flucht Hunderttausender Menschen aus dem und in das Bürgerkriegsland Jemen ist ein Fanal der Unmenschlichkeit der Krieg führenden Parteien

Nicht Welle, sondern Chance

Nicht Welle, sondern Chance

Die Not der flüchtenden Menschen sehen lernen: Es ist Zeit, dass wir die Empathie über unsere Ängste siegen lassen

Das Meer im Kopf

Das Meer im Kopf

Seit sie vor dem IS übers Meer geflohen sind, fürchten sie das ­Wasser. Drei jesidische Mädchen versuchen in Wolfsburg, das Schwimmen zu lernen, um ihre Angst zu überwinden

„Ich wusste nicht, wohin mit uns“

„Ich wusste nicht, wohin mit uns“

Ein Seawatch-Aktivist barg ein totes Kind aus dem Mittelmeer. Das Bild ging um die Welt. In mare schreibt er, was in ihm vorging

Ein kleiner Himmel

Ein kleiner Himmel

In einem kalabrischen Dorf entsteht ein Friedhof für Flüchtlinge, die ihr Leben bei der Überfahrt verloren haben. Der Ort scheint gut gewählt zu sein

Essay

Höchste Potenz, von oben gesehen

Höchste Potenz, von oben gesehen

Die irrealen Meeresbilder des Fotografen Andreas Gursky lassen­ uns verloren gegangenes Gefühl der Naturerhabenheit spüren

Leben

Bauhaus on the beach

Bauhaus on the beach

Kep-sur-Mer, vom Dschungel verschlungen, war einst der mondänste Bade­ort Französisch-Indochinas, Asiens Saint-Tropez

Abgemustert

Abgemustert

Das Seefahrtbuch: Passersatz, Dienstnachweis, Logbuch des Lebens­. Jetzt kommt das Aus für das Traditionsdokument

Kombüse

Die Aufreisserbar

Die Aufreisserbar

Eine ungeahnte Karriere: Sardinen in Dosen kommen groß heraus in Szenelokalen der Welt. Nicht zuletzt in Berlin

Wissenschaft

Fabelhafte Schleimer

Fabelhafte Schleimer

Der unscheinbare Schleimaal kann etwas Einzigartiges, was Forscher fasziniert. Jetzt ist er Objekt ihres wissenschaftlichen Interesses

Kultur

Von Korallen sprechen

Von Korallen sprechen

Was den Deutschen der Wald, ist den Australiern das Große Barriereriff: mythischer Ort der Inspiration für Dichter und Denker

Wirtschaft

Dreht euch!

Dreht euch!

Weit draußen in der Nordsee steht ein großes Haus auf Stelzen – eine 100 Millio­nen Euro teure Unterkunft für Offshoretechniker, die sich um die Windräder im Meer kümmern

Das Blaue Telefon

Leser fragen mare

Leser fragen mare

Ihre mare-Hotline in die unerforschten Weiten und Tiefen der Meere

Schatztruhe

Himmel

Himmel

Fundstücke aus Kunst und Literatur

Strandgut

Neuigkeiten aus der Welt der Meere

Neuigkeiten aus der Welt der Meere

Von A wie Architektur bis Z wie Zoologie

Ausguck

Neues aus der Meeresforschung

Neues aus der Meeresforschung

Nachrichten aus den Meeresforschungsinstituten der Welt

Kolumne

Mein Hooge, 3.

Mein Hooge, 3.

Unser Kolumnist reiste als Jugendlicher achtmal nach Hooge. Jetzt, nach 30 Jahren, erkundet er die Hallig erneut, als Erwachsener, als Stadtmensch, mit tausend Fragen im Gepäck. Diesmal will er wissen: Wie ist das Leben ohne Arzt?

Salon

mare-Salon

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